| Veranstaltung: | Landesdelegiertenkonferenz 13.-15. November Essen |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4. Programm zur Landtagswahl 2027 |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand NRW (dort beschlossen am: 01.10.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 02.10.2026, 09:52 |
WP-03: Ein Land der Chancen
Antragstext
Wir wollen ein Bildungssystem, in dem jedes Kind eine echte Chance bekommt. Wir
wollen, dass jedes Kind seine Fähigkeiten und Talente entfalten kann – von der
Kita bis zur Ausbildung, vom Klassenzimmer bis zum Hörsaal. Im Mittelpunkt
stehen für uns die Menschen mit ihren unterschiedlichen Stärken und Bedürfnissen
und ihrem Recht auf gute Bildung und lebenslanges Lernen.
Unsere Bildungspolitik setzt dort an, wo Menschen sie am dringendsten brauchen.
Wo Kitas und Schulen an ihre Grenzen kommen, weil Personal fehlt oder Gebäude
marode sind, investieren wir gezielt und schaffen bessere Bedingungen. Wo starre
Vorgaben gutem Unterricht im Weg stehen, schaffen wir mehr Spielraum für die,
die jeden Tag vor Ort arbeiten.
Bildungserfolg darf nicht vom Elternhaus abhängen. Dazu gehört eine
frühkindliche Bildung, die bereits vor dem ersten Schultag ansetzt, damit kein
Kind zurückbleibt, bevor es überhaupt eine Chance hatte. Dazu gehören Schulen,
an denen niemand ausgeschlossen wird – unabhängig von Herkunft, Behinderung oder
sozialer Lage. Und dazu gehören Ausbildung und Studium, die allen offenstehen,
nicht nur denen, die es sich leisten können.
Gegenüber Diskriminierung, Rassismus und Queerfeindlichkeit im Bildungsalltag
positionieren wir uns klar: Jeder junge Mensch soll sich in Kita, Schule,
Ausbildung oder Hochschule sicher fühlen. Sie alle gehören zu NRW. Wo Hass und
Ausgrenzung Lernorte bedrohen, stehen wir an der Seite der Betroffenen und
handeln konsequent.
Uns geht es um ein Bildungssystem, das Familien im Alltag entlastet, den
digitalen Wandel begleitet und Talente unabhängig von ihrer Herkunft fördert;
ein System, das Chancen eröffnet, Vielfalt lebt und Zukunft ermöglicht. Diese
Überzeugung treibt unsere Arbeit seit fast fünf Jahren an: Wir haben
Investitionen in Kitas, Schulen und Ausbildung priorisiert und überfällige
Reformen angestoßen. Noch nie hat das Land so viel Geld für Bildung ausgegeben
wie jetzt unter einer schwarz-grünen Regierung. Darauf bauen wir auf: für jedes
Kind und jeden jungen Menschen in diesem Land, chancengerecht statt vom Zufall
abhängig, mit dem klaren Ziel, dass nicht Herkunft über den Bildungserfolg
entscheidet, sondern Fähigkeiten, Talente und eigene Ziele.
Wir wollen die besten Bildungschancen für alle Kinder. Wir wollen, dass jedes
Kind gut aufwachsen und sich entfalten kann. Jedes Kind soll mit den besten
Voraussetzungen ins Leben starten. Bildungsgerechtigkeit entscheidet sich vor
dem ersten Schultag. Hier setzen wir an. Frühkindliche Bildung muss sich
konsequent am Kind orientieren. Wir haben die Kindertagesbetreuung in NRW in den
vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Die Zahl der Kita-Plätze ist gestiegen,
gleichzeitig ist auch die Zahl der pädagogischen Fachkräfte deutlich
angewachsen. Und wir investieren Rekordsummen in die frühkindliche Bildung: im
Haushaltsjahr 2027 stehen 6,5 Milliarden Euro für Kitas und Kindertagespflege
bereit – rund 2,1 Milliarden Euro mehr als noch im Jahr 2022.
Mit der Weiterentwicklung des Kinderbildungsgesetzes haben wir bereits bewusst
die Sprachbildung in den Fokus gerückt und auch finanziell gestärkt. Denn
Sprache ist der Schlüssel zu Teilhabe und Selbstbestimmung. Wir setzen auf eine
kontinuierliche, alltagsintegrierte Sprachbildung in den Kitas, die
Entwicklungsstände früh erkennt, dokumentiert und begleitet. Die Dokumentation
der Sprachstandsentwicklung soll digital erfolgen, auch zur Arbeitserleichterung
der Fachkräfte. Den Übergang von der Kita in die Grundschule wollen wir weiter
stärken.
Ein regelmäßiger Kita-Besuch verbessert die Bildungs- und Teilhabechancen von
Kindern erheblich. Wir bauen deshalb mögliche Hürden ab, die einem verlässlichen
mehrjährigen Kita-Besuch heute noch im Weg stehen und gehen niedrigschwellig auf
Eltern zu, um sie von den Chancen des Kita-Besuchs zu überzeugen. Es ist unser
Ziel, dass jedes Kind mindestens im letzten Jahr vor der Einschulung eine Kita
besucht. Deshalb wollen wir das letzte Kita-Jahr verbindlich gestalten.
Wo die Startbedingungen am schwierigsten sind, muss der Staat am stärksten
unterstützen. Dafür haben wir den Kita-Sozialindex entwickelt, denn wir wollen
unsere Ressourcen gezielt dort einsetzen, wo das Geld am meisten gebraucht wird
und die Herausforderungen am größten sind. Deshalb setzen wir mit dem Ausbau der
Chancen-Kitas genau dort an, wo Kinder die Unterstützung am dringendsten
brauchen – durch aufsuchende Sozialarbeit und gezielte Sprachförderung.
Kitas müssen verlässlich sein. Wenn Betreuungszeiten kurzfristig ausfallen oder
reduziert werden, bringt das den Alltag von Familien durcheinander und stellt
insbesondere berufstätige Eltern vor große Probleme. Gute frühkindliche Bildung,
gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in Kitas und die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf gehören für uns zusammen. Daher benötigen wir neben den Kitas
auch in Zukunft die Kindertagespflege als eine tragende Säule der frühkindlichen
Bildung und Betreuung. Wir wollen Kitas so aufstellen, dass Familien sich auf
ihre Betreuung verlassen können und Kinder verlässliche Strukturen erleben.
Für eine weiterhin hohe Qualität in den Kitas brauchen wir mehr Fachkräfte. Dem
Fachkräftemangel im Elementarbereich begegnen wir deshalb mit neuen Wegen in den
Beruf: Kinderpfleger*innen sollen sich berufsbegleitend zur Erzieher*in
qualifizieren können, ohne noch einmal eine komplette Ausbildung durchlaufen zu
müssen. Wir bauen praxisintegrierte Ausbildungsplätze weiter aus und erleichtern
die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, denn der Einsatz von guten
Erzieher*innen darf nicht an Bürokratie scheitern. Auch die Fachkräfteoffensive
wollen wir weiterführen und ausbauen.
Weil gute Kitas eine zuverlässige Finanzierungsgrundlage brauchen, bauen wir das
aktuelle Finanzierungssystem um. Die Umsetzung der Kita-Formel für ein neues,
bürokratiearmes und bedarfsgerechteres System wollen wir vorantreiben und
insbesondere das Kind und seine Bedarfe in den Fokus nehmen. Finanzielle
Spielräume, die sich durch den Bürokratieabbau und durch sinkende Kinderzahlen
ergeben, wollen wir für die Stärkung der Qualität der frühkindlichen Bildung
einsetzen. Damit Inklusion gelingen kann, müssen die finanziellen und
personellen Ressourcen bereitgestellt werden. Für uns gilt: Gute Chancen
beginnen in der Kita. Wir wollen, dass jedes Kind von Anfang an die besten
Voraussetzungen für seinen weiteren Weg bekommt.
Medienbildung gehört für uns von Anfang an dazu. Dazu wollen wir insbesondere
die Eltern sensibilisieren. Weil digitale Medien den Familienalltag schon in den
ersten Lebensjahren prägen, verankern wir Medienkompetenz als festen Baustein
der Frühen Hilfen: Wir qualifizieren Fachkräfte, bauen niedrigschwellige
Beratung aus und unterstützen Eltern dabei, ihre Kinder von Anfang an sicher
durch die digitale Welt zu begleiten.
Digitalisierung soll zugleich die Arbeit in unseren Kitas einfacher machen.
Digitale Anwendungen können Fachkräfte bei Dokumentation, Organisation und
Verwaltung entlasten und so mehr Zeit für die Arbeit mit den Kindern schaffen.
Dafür wollen wir die digitale Ausstattung der Kitas verbessern und auch
Bundesmittel für die Finanzierung notwendiger Endgeräte nutzen.
Familie ist dort, wo Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen.
Familien sind so vielfältig wie unsere Gesellschaft. Familien geben Halt, sind
Ort von Fürsorge, Erziehung und Pflege und sind damit von unverzichtbarem
gesellschaftlichen Wert, der weit über das Private hinausreicht. Deshalb ist es
unsere Aufgabe, allen Familienformen echte Wahlfreiheit, Anerkennung und
verlässliche Unterstützung zu ermöglichen.
Eltern sind die ersten Bildungsbegleiter ihrer Kinder. Familien bewegen heute
viele Fragen und Herausforderungen und der Beratungsbedarf wächst. Deshalb
stärken wir die Familienbildung als wichtigen Teil der Bildungskette und
unterstützen Familien frühzeitig und niedrigschwellig in ihrer Erziehungs- und
Bildungskompetenz. Familienzentren sind hierfür gute Orte des Austauschs und der
Beratung. Ihr Angebot in NRW wurde stetig erweitert. Diese Struktur muss nun
weiter verbessert werden. Deshalb bündeln wir bestehende Angebote gezielt und
verzahnen Familienbildung, -pflege und -beratung besser miteinander. Dabei
schauen wir besonders dorthin, wo der Bedarf am größten ist. Dort bauen wir die
Angebote gezielt aus und erleichtern Familien den Zugang, mitgestaltet von
Kindern, Jugendlichen und Eltern selbst.
Jedes fünfte Kind in NRW wächst in Armut auf. Das ist eine
gesamtgesellschaftliche Herausforderung mit direkten Folgen für Bildungschancen
und das spätere Leben. Bildungsgerechtigkeit hängt nicht nur von guter Kita und
Schule ab, sondern auch davon, ob sich Familien Sportverein, Musikschule,
Mittagessen, Nachhilfe oder die Klassenfahrt leisten können. Wir setzen uns für
eine landesweit einheitliche Kidz-/YouthCard ein, die Kindern und Jugendlichen
unkompliziert Zugang zu Teilhabe verschafft. Die Finanzierung der Karte soll an
die Bundesmittel für Bildung und Teilhabe gekoppelt werden, um diese besser
auszuschöpfen. Darüber hinaus sollen sowohl das Land als auch die Kommunen
eigene Angebote ergänzen können – etwa kostenlosen Nahverkehr, freien Eintritt
in Museen oder weitere Vergünstigungen vor Ort.
Kinder brauchen unseren Schutz, denn sie sind besonders verletzlich und
überdurchschnittlich von Gewalt betroffen. NRW nimmt eine Vorreiterrolle
bundesweit im Kinderschutz ein – diese wollen wir weiter ausbauen. Unser Ziel
ist es, Kinderrechte im Alltag von Familien, Schulen, Kitas, Vereinen und der
Kinder- und Jugendhilfe sichtbar zu machen und ihre Umsetzung zu stärken.
Wir entwickeln verbindliche Qualitätsstandards für Kinderschutzkonzepte, die wir
gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Eltern erarbeiten. Wir konkretisieren
das bewährte Qualitätsentwicklungsverfahren der Jugendämter durch einen klaren
Kriterienkatalog. Jugendämter und freie Träger stärken wir mit einer
Qualitätsoffensive aus Fortbildung, Supervision und Vernetzung.
Kinderschutzhäuser für kindgerechte, belastungsarme Vernehmungen bauen wir aus,
indem wir bestehende Kinderschutzambulanzen weiterentwickeln. In jedem
Regierungsbezirk soll mindestens eine Kinderschutzambulanz zur Verfügung stehen.
Wir legen ein Programm auf, das Kinderschutzfachkräfte, gerade bei kleineren
Trägern, qualifiziert und vernetzt. Auch bei kommerziellen Anbietern wollen wir
den Kinderschutz stärken. Und weil ein großer Teil des Kinderalltags in Schulen
stattfindet, müssen Kinderschutz und Gewaltprävention fest in der
Schulentwicklung verankert werden.
Wenn Kinder oder Familien in Konflikt mit der Jugendhilfe geraten, brauchen sie
unabhängige Ansprechstellen. Wir legen landesweit verbindliche Mindeststandards
für Ombudsstellen fest: unabhängig, barrierefrei, mehrsprachig und
flächendeckend erreichbar. Für uns steht fest: Hilfe in Notsituationen für
Kinder und Familien darf nie an der Finanzkraft einer Kommune scheitern. Doch
zugleich können aufwendige, individualpädagogische Hilfen kleinere Jugendämter
finanziell überfordern. Wir suchen daher gemeinsam mit den Kommunen nach
tragfähigen Lösungen.
Mit der unabhängigen Beauftragten für Kinderschutz und Kinderrechte ist in NRW
eine wichtige neue Struktur geschaffen worden. Wir wollen diese Stelle zu einer
starken und sichtbaren Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche weiterentwickeln.
Dafür benötigen wir ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen und eine
enge Verzahnung mit den kommunalen Kinderschutznetzwerken.
Bei Verdacht auf Gewalt gegen Kinder leiten wir einen Paradigmenwechsel ein und
verzahnen familiengerichtliche und strafrechtliche Verfahren konsequent. Durch
die Bündelung richterlicher Zuständigkeiten und die enge Vernetzung von
Gerichten, Polizei, Jugendämtern sowie Hilfsangeboten beschleunigen wir
Verfahren, verhindern Re-Traumatisierungen und ersparen Kindern belastende
Mehrfachvernehmungen. Kinder und Jugendliche müssen in Verfahren, die sie
betreffen, tatsächlich Gehör finden.
Erwachsenen Personen, die in ihrer Kindheit oder Jugend Opfer von sexualisierter
Gewalt in Institutionen oder auch in der Familie geworden sind, wollen wir eine
Stimme geben. Zurecht fordern sie ein Recht auf Aufarbeitung ein. Die Ergebnisse
der Kommission für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und
Jugendliche nehmen wir daher sehr ernst und wollen die Umsetzung der Forderungen
sorgfältig prüfen und angehen.
Manche Kinder und Jugendliche brauchen einen zweiten Blick. Pflegefamilien geben
ihnen Sicherheit und ein familiäres Zuhause. Wir entwickeln das Konzept der
Westfälischen Pflegefamilie zum Modell „Nordrhein-Westfälische Pflegefamilie"
weiter, mit einheitlichen Qualitätsstandards, verbindlicher Fortbildung und
einer landesweiten Hotline, die Pflegefamilien in Krisen schnell und
unbürokratisch berät und unterstützt. Jugendliche, die aus der Jugendhilfe
herauswachsen, dürfen danach nicht allein gelassen werden: Wir bauen
verlässliche kommunale Netzwerke auf, die sie beim Übergang in Ausbildung,
Studium, Beruf und eigenes Wohnen langfristig begleiten.
Auch Jungen brauchen Unterstützung dabei, sich frei von starren Rollenbildern
und problematischen Vorbildern in sozialen Medien zu entwickeln und einen guten
Umgang mit Konflikten und Gewalt zu lernen. Wir treten für ein positives,
verantwortungsvolles Rollenbild von Jungen und männlichen Vorbildern ein.
Deshalb stärken wir geschlechterreflektierte Jungenarbeit gezielt mit
präventiven Angeboten und qualifizierten Fachkräften.
Gute Jugendarbeit erreicht junge Menschen dort, wo sie sind, und nimmt ihre
Lebensrealität ernst – von Sorgen um Armut, Ausbildung und Familie bis zu Krieg
und Klimawandel. Der Kinder- und Jugendförderplan NRW ist das wichtigste und
zentrale Förderinstrument des Landes, um Kinder und Jugendliche zu unterstützen
und ihre Teilhabe zu stärken. Daher werden wir die Dynamisierung fortsetzen und
Kinder und Jugendliche selbst bei der Erarbeitung der Schwerpunkte des nächsten
Kinder- und Jugendförderplans einbeziehen.
Mit einem Landesprogramm „Digital Streetwork – Jugend NRW“ bringen wir
aufsuchende Sozialarbeit ins Netz, also dorthin, wo viele Jugendliche einen
Großteil ihrer Zeit verbringen und schützen sie so früher vor mentalen Krisen
und Radikalisierung. Jugendarbeit für geflüchtete Kinder und Jugendliche
verankern wir dauerhaft im Kinder- und Jugendförderplan, statt sie von Projekt
zu Projekt zu finanzieren. Zugleich richten wir die Jugendarbeit stärker auf die
Herausforderungen aus, die junge Menschen heute beschäftigen – von psychischer
Gesundheit, Rollenbildern und unterschiedlichen individuellen Bedürfnissen bis
zu einem respektvollen, demokratischen und sicheren Miteinander, online wie
offline.
Junge Menschen brauchen Orte, die ihnen gehören und in denen sie sich
wohlfühlen. Wir schaffen Anreize, bestehende Jugendräume zu modernisieren und
neue Treffpunkte zu schaffen. Junge Menschen sollen dabei beteiligt werden,
Spiel- und Bolzplätze, Skate-, Calisthenic- und Dirtparks so zu gestalten, dass
sie wirklich zu ihren Bedürfnissen passen.
Die Sozialen Medien sind für junge Menschen Orte der Kommunikation, Information
und Teilhabe. Es sind aber auch Orte, an denen sie Hass, digitaler Gewalt,
Cybergrooming und gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind. Kinder und
Jugendliche müssen befähigt werden, Desinformation, Hass und manipulative
Algorithmen zu erkennen und einzuordnen. Das gilt besonders für den Umgang mit
Künstlicher Intelligenz, denn Schüler*innen und Lehrer*innen müssen frühzeitig
Chancen und Grenzen von KI kennenlernen. Wir bauen Medienkompetenz und
Medienbildung für Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogisches Personal weiter
konsequent aus. Dabei bauen wir auf erfolgreichen Angeboten in NRW auf: Angebote
wie das “Internet-ABC” und die “Medienscouts NRW” vermitteln Kindern und
Jugendlichen Wissen und Kompetenzen für einen sicheren, selbstbestimmten und
kritischen Umgang mit digitalen Medien. Wir wollen solche Angebote stärken und
weiter in die Fläche bringen. Gleichzeitig stärken wir mit Angeboten wie „Eltern
und Medien“ die Zusammenarbeit von Kitas, Schulen und Eltern, denn gute
Medienbildung gelingt am besten gemeinsam.
Gleichzeitig reicht Bildung allein nicht: Suchtverstärkende Algorithmen,
zielgenaues Targeting und gesundheitsgefährdende Inhalte treffen Kinder und
Jugendliche besonders hart. Wir setzen uns deshalb für eine verbindliche
Altersgrenze von 13 Jahren für Social-Media-Plattformen ein. Für 13- bis 15-
Jährige sollen nur Plattformen zugänglich sein, die den
Jugendschutzanforderungen des Digitale-Dienste-Gesetzes (Digital Services Act)
entsprechen. Dafür nehmen wir die Plattformen in die Verantwortung. Die
Altersprüfung muss datenschutzkonform erfolgen, ohne biometrische Daten. So
verbinden wir Schutz und digitale Teilhabe, statt Verantwortung allein auf junge
Menschen und ihre Eltern abzuwälzen. Kinder und Jugendliche beziehen wir in die
Weiterentwicklung des Jugendmedienschutzes ein und setzen die
Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und
Jugendschutz in der digitalen Welt“ für NRW konsequent um.
Wir wollen Schulen, in denen Kinder eigenständig und verantwortungsvoll lernen
können. Zu oft erstickt ihr Schulalltag in starren Regeln für Lehrpläne,
Organisation und Personal. Wir finden: Lehrkräfte sollten bei ihrer
pädagogischen Arbeit viel mehr Freiheit haben – getragen von Vertrauen,
gemeinsamen Werten, Teilhabe und der Orientierung am Wohl der Kinder. Schulen
sollen ihren eigenen Weg gestalten und Profile entwickeln, die zu ihren
Schüler*innen, ihren Teams und ihrem Umfeld passen. Vertrauen bildet dabei die
Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Schulen, Schulträgern, Schulaufsicht,
Eltern, Schüler*innen und Politik. Schulen sollen Neues erproben, aus
Erfahrungen lernen und Konzepte verändern dürfen, wenn sie sich im Alltag nicht
bewähren. Eine Vielfalt von Schulkonzepten erleben wir als Stärke, die wir
sichtbar machen wollen.
Bildung soll sich am Kind orientieren: Ganzheitliches Lernen heißt für uns,
Leistung und Persönlichkeit zusammenzudenken, mit weniger Bürokratie und mehr
Wirkung. Wir wollen das Schulsystem mit seinen Bildungsgängen übersichtlicher
gestalten und die Durchlässigkeit zwischen ihnen verbessern. Die Strukturen im
Schulsystem verschlanken wir dort, wo es pädagogisch sinnvoll ist.
Einzelschulen erhalten mehr Verantwortung für ihr eigenes Budget. Dazu gehört
auch, dass Grundschulen mit hohem Sozialindex die Schulzeit flexibel auf fünf
statt vier Jahre verteilen können, wenn das dem Lerntempo der Kinder entspricht.
Jugendliche, deren Abschluss gefährdet ist, fangen wir auf durch feste
Kooperationsklassen zwischen Schule und Betrieb, mit eigens dafür
bereitgestellter Begleitung. Schulleitungen erhalten gezielte Fortbildung in
Organisationsentwicklung.
Schulen sollen mehr Möglichkeiten erhalten, gemeinsam mit den Kommunen passende
Lösungen für ihre Lernorte in der Region zu entwickeln. Dabei geben wir den
einzelnen Schulen mehr Entscheidungsspielraum. So wird Verantwortung stärker vor
Ort verankert und Bildungsangebote können besser auf die unterschiedlichen
Bedürfnisse der Schüler*innen zugeschnitten werden.
Wir setzen die erfolgreiche Förderung von Einrichtungen der Bildung für
nachhaltige Entwicklung und Umweltbildungseinrichtungen weiter fort und
ermöglichen Naturerlebnisse für jedes Kind. In den vergangenen fünf Jahren haben
wir das Netzwerk geförderter Einrichtungen im Bereich Bildung für nachhaltige
Entwicklung und Umweltbildung in NRW massiv ausgebaut; dieses Engagement setzen
wir fort und stärken dafür auch die regionalen BNE-Zentren strukturell und
finanziell weiter. Konkret wollen wir einen Exkursionstag in jedem Kita- und
Schuljahr verankern, ergänzt um jährliche Aktionen an Schulen und Kitas selbst.
Etwa dort, wo Außenanlagen im Rahmen der Landesförderprogramme „Coole Schulhöfe"
und „Grüne Kitas" naturnah und unter Beteiligung der Kinder umgestaltet werden.
Schule darf nicht bei vorgegebenen Lehrplänen stehen bleiben. Wir setzen auf
Gestaltungskompetenzen und auf Projektlernen über Fachgrenzen hinaus. Schulen
erhalten regelmäßig Zeit im Stundenplan, um sich fächer- und
jahrgangsübergreifend mit aktuellen Themen zu beschäftigen. Wir stimmen
Unterricht und den offenen Ganztag besser aufeinander ab und schaffen so einen
kindgerechten Tagesablauf mit klarem Rhythmus für Lernen, Spielen und Erholen.
Wir machen Schluss mit der Unübersichtlichkeit aus rund 130 Lehrplänen in NRW:
wir ersetzen schulformbezogene durch schulstufenbezogene Fachlehrpläne auf
Grundlage eines Rahmenlehrplans, wie es andere Bundesländer bereits vormachen.
So lernen alle Schüler*innen in einer Altersstufe dieselben Themen, flexibel
angepasst an ihr persönliches Leistungsniveau. Das schafft Transparenz,
ermöglicht durchlässigere Bildungswege, individuelle Förderung unabhängig von
der Schulform und reduziert zugleich Bürokratie und den Aufwand der
Schulaufsicht. So erleben Kinder und Jugendliche eine durchgängige,
Bildungsbiografie ohne Brüche.
Damit trotzdem niemand durchs Raster fällt, legen wir landesweit verbindliche
Mindeststandards und darauf aufbauende Kernlehrpläne fest. Sie müssen am Ende
der Primarstufe und der Sekundarstufe I erreicht sein, überprüft durch
regelmäßige Tests und Monitoring, verantwortet von den einzelnen Schulen
gemeinsam mit der Schulaufsicht. In der Sekundarstufe I ermöglichen wir
individualisierte Formen von Klassenarbeiten und mündlichen Prüfungen.
Gute Schule braucht starke Teams und weiß selbst am besten, welches Personal und
welche Mittel sie dafür braucht. Schulen sollen flexibel und eigenständig
entscheiden können, wie sie Personal- und Sachmittel einsetzen. Dabei
orientieren wir uns an den Freiräumen, die Ersatzschulen schon heute nutzen. Auf
Grundlage eines schulbezogenen Stellenplans verwalten Schulen künftig auch
multiprofessionelle Personalstellen (u.a. Schulsozialarbeiter*innen,
Schulpsycholog*innen, Verwaltungsstellen in IT und Administration) selbst, damit
Schulen ihr Personal unkompliziert entsprechend ihrer akuten Bedarfe einsetzen
können. Jede Schule kann sich so selbst das Team bauen, das sie wirklich
braucht. Wir entlasten das pädagogische Personal gezielt von
Verwaltungsaufgaben, damit mehr Zeit für das Lehren bleibt. Fach-, Werkstatt-
und technische Lehrkräfte sollen eingestellt werden können. Schulsozialarbeit
wird mit verbindlichen Standards fester Bestandteil von Schule, mit engerem
Austausch zwischen Jugendhilfe und Schule.
Lehrkräfte verstehen wir dabei als Begleiter*innen individueller Lernwege.
Kinder und Jugendliche können ihr Lernen aktiv mitgestalten und eigene Stärken
entdecken. Fort- und Weiterbildung gestalten wir gemeinsam mit den Hochschulen
neu und verbindlicher: mit verpflichtenden Fortbildungen zur wachsenden
Heterogenität der Klassen und zum Umgang mit Inklusion und
Einwanderungsgesellschaft, zu Vielfalt, Bildung für nachhaltige Entwicklung
sowie mit ausgeweiteten Angeboten zu digitalen, auch KI-gestützten Lehr- und
Lernformaten. Die Lehramtsausbildung selbst öffnen wir für duale Elemente und
Studiengänge.
Schulleitungen stärken wir konsequent durch mehr Leitungszeit, größere Autonomie
in Personal- und Unterrichtsentwicklung sowie kontinuierlicher Begleitung durch
Coaching und Supervision. Mit den Lehrer*innenverbänden gehen wir zudem die
überfällige Neubewertung der Lehrer*innenarbeitszeit an. Und wir reformieren das
Referendariat mit dem Ziel eines fairen, modernen Vorbereitungsdienstes:
flexibel zwischen 18 und 30 Monaten, modular strukturiert und an den
individuellen Bedürfnissen der Lehramtsanwärter*innen orientiert.
Der Ganztag ist und bleibt für uns der Schlüssel zu echter Chancengerechtigkeit
und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir halten an der Ausbauoffensive
der Offenen Ganztagsschule (OGS) in NRW fest und schreiben sie fort. Klar ist:
Der Rechtsanspruch allein reicht nicht, solange Fachkräftemangel und angespannte
Haushaltslage Tempo und Qualität begrenzen. Deshalb setzen wir parallel auf neue
Ausbildungswege wie die Sozialassistenz mit Schwerpunkt Grundschulbetreuung und
auf eine engere, gleichberechtigte Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe.
Wir wollen landesweit verlässliche Qualitätsstandards für den Ganztag schaffen,
damit gute Betreuung und Förderung nicht von der Finanzkraft der Kommune oder
den Bedingungen vor Ort abhängen. Gleichzeitig stärken wir die Beteiligung von
Kindern und Eltern sowie den Kinderschutz. Den gebundenen Ganztag an Grund- und
weiterführenden Schulen bauen wir gekoppelt an den Sozialindex und somit den
sozialen Herausforderungen in den Nachbarschaften aus. Unser Ziel bleibt ein
Ganztag, der nicht nur verlässlich, sondern auch in seiner Qualität allen
Kindern und Beschäftigten gerecht wird.
Individuelle Schulbegleitung bleibt für Kinder unverzichtbar, die ohne sie nicht
am Unterricht teilnehmen können. Bei dauerhaftem Bedarf wollen wir
längerfristige Bewilligungen ermöglichen, damit Familien nicht jährlich erneut
Anträge stellen müssen. Zugleich integrieren wir Schulbegleitung stärker in das
multiprofessionelle Team der Schule, mit verbindlich geregelter Qualifikation,
pädagogischer Einbindung und fairen Arbeitsbedingungen. Perspektivisch wollen
wir pädagogische Klassenbegleitungen als festen Bestandteil multiprofessioneller
Teams etablieren. Pflegerische Tätigkeiten müssen fachlich benannt,
professionell eingeordnet und entsprechend vergütet werden.
Perspektivisch wollen wir jeder Klasse der Primar- und Sekundarstufe I eine
pädagogische Klassenbegleitung an die Seite stellen und eine feste,
qualifizierte Ansprechperson für Kinder, Lehrkräfte und Schulsozialarbeit. Über
den Schulsozialindex erhalten Schulen mit besonderem Bedarf zusätzliche
Klassenbegleitungen. Multiprofessionelle Teams bauen wir gezielt um
Sonderpädagog*innen und weitere Professionen aus und verankern
Inklusionskoordinator*innen auf Schulleitungsebene. Landesweite Baustandards
sorgen für Barrierefreiheit und inklusionsfördernde Raumausstattung. Gemeinsam
mit der Monitoring-Stelle in NRW erstellen wir einen Aktionsplan Inklusion mit
klaren Zielen und verbindlicher Zeitachse. Individuelle Hilfen sollen wo nötig
erhalten bleiben, integrieren sich aber künftig in die strukturelle
Verantwortung der Schule. Erstmals erarbeiten wir für NRW einen Dyskalkulie-
Erlass, um Leitlinien im Umgang mit Rechenschwäche zu geben.
Bildungserfolg darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb streben
wir beitragsfreie Bildung an. Wir wollen Ganztagsschulen mit Gebührenbefreiung
für Geringverdienende und die finanzielle Unterstützung beim Schulstart oder für
Schulausflüge, damit kein Kind zurückbleibt. Auf dem Weg dorthin legen wir
Höchstgrenzen für die Elternbeiträge in Kitas, Kindertagespflege und offenen
Ganztagsschulen fest, um insbesondere Familien mit kleinen und mittleren
Einkommen zu entlasten.
Unser Ziel ist, Abschulungen und unfreiwillige Klassenwiederholungen durch
bessere individuelle Förderung so weit wie möglich zu vermeiden. Schwierigkeiten
beim Lernen wollen wir frühzeitig erkennen und Schüler*innen gezielt
unterstützen, damit sie ihren Bildungsweg erfolgreich fortsetzen können, statt
durch Rückstufungen zusätzliche Hürden zu erleben. Die Kita kennt die
Entwicklung eines Kindes besonders gut und kann deshalb Eltern beim richtigen
Zeitpunkt für die Einschulung fachkundig beraten. Mit der Kita-Pflicht im
letzten Jahr stellen wir sicher, dass jedes Kind und seine Familie von dieser
Beratung profitieren. Das Modell der PRIMUS-Schulen mit längerem gemeinsamen
Lernen von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe I bauen wir aus.
Damit Unterstützung dort ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird,
entwickeln wir den Schulsozialindex weiter. Dabei berücksichtigen wir stärker
die tatsächlichen Voraussetzungen und Förderbedarfe der Schüler*innen.
Zusätzliche Mittel sollen gezielt Schulen zugutekommen, an denen besonders viele
Kinder die Mindeststandards noch nicht erreichen – vor allem in den
Grundschulen. Eine datenschutzkonforme Bildungs-ID begleitet Bildungsbiografien
über Einrichtungsgrenzen hinweg, vereinfacht Verwaltungsprozesse und verbessert
den Datenaustausch zwischen Bildungseinrichtungen. Unterstützung für Familien
endet nicht an der Schultür: Wir bauen die Zahl der Familiengrundschulzentren
deutlich aus und docken sie an den Sozialindex an, damit sie als
multiprofessionelle Netzwerke genau dort ankommen, wo der Bedarf am größten ist.
Schule muss tragen; gerade dann, wenn junge Menschen krank werden. Psychische
Belastungen bei Kindern und Jugendlichen haben spürbar zugenommen: Angst- und
Essstörungen, Depressionen und psychosomatische Beschwerden treten früher auf,
verlaufen intensiver und bleiben oft unbehandelt. Deshalb braucht Schule Raum
und Zeit für echte Beziehungen und Zuhören, Lernen ohne übermäßigen Druck sowie
eine an jeder Schule präsente Unterstützung für seelische und soziale Fragen,
die Kinder, Jugendliche, Mitarbeitende und Familien gleichermaßen einbindet. Wir
wollen, dass diagnostizierte psychische Erkrankungen verbindlich unter den
Nachteilsausgleich fallen. Dafür braucht es landesweite Richtlinien,
Fortbildungen für Lehrkräfte und transparente, niedrigschwellige Verfahren. Für
Schüler*innen mit Long Covid und anderen chronischen Krankheiten wie ME/CFS
fordern wir flexible Leistungsbewertungen, individualisierte Präsenzpflichten im
Rahmen der Oberstufenreform sowie rechtssicher abgesicherte hybride und digitale
Teilhabe. Kein junger Mensch darf zurückgelassen werden, nur weil das System
nicht flexibel genug ist. Bildungsgerechtigkeit heißt für uns, Strukturen so zu
gestalten, dass sie wirklich tragen.
Ein guter Schulalltag braucht mehr als einen vollen Stundenplan. Wir geben
Schulen die Möglichkeit, per Beschluss der Schulkonferenz den Schulbeginn auf
bis zu 9 Uhr zu legen, damit der Tag besser zum Biorhythmus junger Menschen
passt. Gesundes, nachhaltiges Schulessen unterstützen wir gezielt mit
Förderprogrammen für Schulen und Schulträger. Mit einer Sport- und
Schwimmoffensive bringen wir mehr Bewegung in den Schulalltag. Den Schulsport
entwickeln wir weiter und verzahnen ihn enger mit dem Ganztag. Kulturelle
Bildung gehört für uns genauso zur Schule wie Mathematik oder Deutsch: Wir
wollen Schulen ermöglichen, die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen und der
Freien Szene nach ihren Bedürfnissen auszubauen. Schulen leben von den Menschen,
die sich für sie engagieren. Deshalb bauen wir bürokratische Hürden für
ehrenamtliches Engagement an ihnen ab.
Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und andere Formen gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit sind Realität im Alltag vieler Menschen, auch in unseren
Schulen. Deshalb müssen Schüler*innen und Lehrkräfte gerade auch im Netz für
Hass, Hetze und sexualisierte Gewalt sensibilisiert werden. Stigmatisierung und
Diskriminierung haben in unserer Gesellschaft genau so wenig zu suchen wie in
der Schule. Wir wollen Angebote für Schüler*innen mit Diskriminierungserfahrung
schaffen und aufklären. Schüler*innen sind so unterschiedlich wie unsere
Gesellschaft es auch ist. Ein Land, das in Vielfalt zusammenhält, zeigt sich
gerade in der Schule, egal ob im Lehrplan oder im Klassenzimmer.Dazu gehört auch
ein diskriminierungsfreier Sexualkundeunterricht.
Wir verstehen Vielfalt und Mehrsprachigkeit als Chance, die wir ausschöpfen
wollen. Wer neben Deutsch eine andere Sprache beherrscht, bringt eine
zusätzliche Kompetenz mit. Wir stärken deshalb Mehrsprachigkeit von der Kita bis
zur Schule und entwickeln den herkunftssprachlichen Unterricht weiter. Damit
jedes Kind die gleichen Bildungschancen erhält, stärken wir die durchgängige
Bildungssprache Deutsch. Demokratiebildung, Sensibilität für Diskriminierung,
Radikalisierungsprävention und rassismuskritische Aufklärungsarbeit etablieren
wir verbindlich in den Schulen des Landes. Entsprechende Inhalte nehmen wir in
die Fort- und Weiterbildungsplanung auf, damit Lehrkräfte durch regelmäßige
Fortbildungen und Handreichungen Handlungssicherheit gewinnen. Dazu gehört auch
eine geschlechtersensible Sprache.
Programme wie „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und „Schule der
Vielfalt“ sind wichtige Bekenntnisse – aber ein Schild an der Schultür allein
verändert noch keinen Schulalltag. Auch an ausgezeichneten Schulen erleben
Schüler*innen Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und andere Formen
von Diskriminierung. Entscheidend ist deshalb, wie Schulen damit umgehen.
Wir wollen solche Programme weiterentwickeln und mit verbindlichen Standards
koppeln: regelmäßige Fortbildungen, verlässliche Ansprech- und
Beschwerdestrukturen, die Beteiligung von Schüler*innen sowie eine regelmäßige
Überprüfung der vereinbarten Maßnahmen. Schulen sollen nicht behaupten müssen,
frei von Diskriminierung zu sein – sie sollen zeigen, dass sie Diskriminierung
erkennen, Betroffene ernst nehmen und konsequent handeln.
Wir wollen den islamischen Religionsunterricht als dauerhaftes Regelangebot in
NRW sichern und qualitativ weiterentwickeln. Dabei stärken wir eine religiöse
Bildung, die die Lebensrealität junger Muslim*innen aufgreift und Demokratie,
gesellschaftliche Teilhabe und einen reflektierten Umgang mit Religion fördert.
Wir wollen die Stimmen
liberaler Muslim*innen in der Kommission für islamischen Religionsunterricht
stärken. Die religiösen Inhalte des Unterrichts müssen unabhängig von der
Einflussnahme ausländischer Staaten bestimmt werden. Deshalb sollen Verbände,
die der Steuerung oder maßgeblichen Einflussnahme ausländischer Regierungen
unterliegen, nicht in der Kommission vertreten sein.
Angesichts wachsender konfessioneller und religiöser Vielfalt öffnen wir als
Angebot den Religionsunterricht für interreligiöse Modelle. Dazu stoßen wir
einen institutionalisierten Dialogprozess mit allen beteiligten Kirchen und
Religionsgemeinschaften an. Weil der Anteil nicht religiös gebundener
Schüler*innen wächst, bauen wir Praktische Philosophie schon ab der Grundschule
sowie das Fach Philosophie in den weiterführenden Schulen aus.
Schulen sind für uns Orte gelebter Demokratie. Kinder und Jugendliche sollen
erleben, dass ihre Stimme zählt, dass sie ihr Umfeld mitgestalten und
mitentscheiden können, wann, wo und wie ihr Lernen stattfindet. Mitbestimmung
soll für alle Altersstufen selbstverständlich zum Schulalltag gehören, und
demokratisches Denken sowie politisches Lernen sollen den gesamten Unterricht
durchziehen. Bestehende Maßnahmen zur Demokratieförderung, Antidiskriminierung,
Extremismusprävention und zum Mentoring bauen wir aus. Die Expertise
zivilgesellschaftlicher Akteur*innen binden wir dabei aktiv in
Entwicklungsprozesse ein. Die Mitwirkung der Elternvertretung wird von einer
Kann-Regelung zum verbindlichen Standard auf kommunaler Ebene.
Digitale Bildung darf nicht vom Wohnort, der Schulform oder dem Schulträger
abhängen. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Schüler*innen und Lehrkräfte in
NRW dauerhaft Zugang zu funktionierender technischer Infrastruktur sowie
sicheren, datenschutzgerechten und kostenfreien digitalen Bildungswerkzeugen
erhalten. Wir sorgen dafür, dass informationstechnische Grundlagen und eine
kritisch-reflektierte KI-Grundbildung allen zugänglich werden. Wir wollen, dass
jedes Kind und jede Lehrkraft ein digitales Endgerät hat und wollen die Kommunen
auf diesem Weg begleiten. Dazu gehören auch ein Glasfaseranschluss mit
mindestens 1 GBit/s symmetrisch, leistungsfähiges WLAN und IT-Assistenz vor Ort.
Mit den Städten und Gemeinden entwickeln wir die Lernmittelfreiheit weiter und
öffnen sie für neue digitale Inhalte und Anbieter. Digitale Werkzeuge helfen uns
zudem, Bildungsqualität sichtbar zu machen: Wir bauen ein durchgängiges
Bildungsmonitoring auf, das individuelle Lernverläufe in den Blick nimmt und als
verlässliche Grundlage für politische wie pädagogische Entscheidungen dient. So
steuern wir Bildung datengestützt und systematisch weiter, statt sie nur zu
verwalten.
Statt isolierter Softwarelösungen einzelner Schulen oder Kommunen entwickeln wir
sie gemeinsam mit anderen Bundesländern, dem Bund und europäischen
Partner*innen. Dabei setzen wir prioritär auf quelloffene europäische Angebote.
So schaffen wir eine verlässliche, zukunftsfeste Grundlage, die gleichzeitig
Lehrkräfte entlastet. Dabei ist uns wichtig: Der Betrieb digitaler Werkzeuge
darf nicht von Konzernen außerhalb des Rechtsraums der EU abhängen. Daten von
Schüler*innen und Lehrkräften müssen in europäischer Hand bleiben und dürfen
nicht in die Geschäftsmodelle einzelner Anbieter einfließen. Ergänzend benötigen
wir praxisnahe Fortbildungen, die Lehrkräfte befähigen, digitale Werkzeuge im
Unterricht einzusetzen und ihren sachgerechten Umgang damit zu vermitteln.
Gemeinsam mit Stakeholder*innen erarbeiten wir eine "White List", die
datenschutzrechtliche Empfehlungen für digitale Lernwerkzeuge gibt. Zudem
fördern wir digitale Lernräume gezielt über die Schule hinaus und verbinden so,
bspw. über Bibliotheken, Werkstätten und Jugendzentren, schulisches und
außerschulisches Lernen.
Auch die Gebäude müssen mithalten: Mit dem “NRW.Plan” investieren wir bereits
gemeinsam mit den Kommunen in die Sanierung und Modernisierung unserer Schulen,
während wir mit der Altschuldenhilfe des Landes hoch verschuldeten Kommunen neue
finanzielle Spielräume verschaffen. Diesen Weg setzen wir fort und unterstützen
Schulträger dabei, nachhaltige, innovative und flexible Lösungen umzusetzen.
Auch den Hitzeschutz an Schulen treiben wir weiter voran: Unser Programm “Coole
Schulhöfe” zur klimaangepassten Gestaltung von 1.000 Schulhöfen setzen wir fort
und entwickeln es mit dem Ziel weiter, perspektivisch alle Schulhöfe in NRW zu
entsiegeln und klimaangepasst zu gestalten. So bleiben die Schulhöfe auch an
Hitzetagen kühl. Außerdem wollen wir mit Klimaanlagen und Wärmepumpen dafür
sorgen, dass die Schulräume in solchen Zeiten erträglich bleiben. Dafür gehen
wir auf die Schulträger zu und unterstützen sie bei der Umrüstung.
Unser Ausbildungssystem schafft Wohlstand und eröffnet einen verlässlichen Weg
ins Berufsleben. Obwohl in NRW jedes Jahr zehntausende junge Menschen vergeblich
einen Ausbildungsplatz suchen, bleiben gleichzeitig zehntausende Plätze frei.
NRW braucht diese Fachkräfte. Deshalb wollen wir die Ausbildung attraktiver und
zugänglicher machen.
Bei der Berufsorientierung erhalten Jugendliche Hilfe, um den passenden
Ausbildungsberuf zu finden, an jeder Schulform und unabhängig von Abschluss und
Geschlecht. Das gilt auch an Hochschulen, für Studierende, die sich beruflich
neu orientieren wollen. Wir bauen das bewährte Modell "Kein Abschluss ohne
Anschluss" (KAoA) weiter aus, ebenso die Berufseinstiegsbegleitung und Angebote
wie "Kurs auf Ausbildung". Für Menschen mit Behinderung verbessern wir die
Beratung, bei der Chancen und berufliche Möglichkeiten im Mittelpunkt stehen.
Wir unterstützen dafür theoriereduzierte Ausbildungswege und statten
Berufsschulen entsprechend barrierefrei aus. Zusätzliche Schulabschlüsse neben
der beruflichen Qualifikation sollen leichter erreichbar werden, wodurch auch
die Berufskollegs gestärkt werden. Auch berufsbegleitende
Weiterqualifizierungen, beispielsweise von Kinderpfleger*in zu Erzieher*in und
weiteren Bereichen mit Fachkräftebedarf, sollen möglich gemacht werden.
Um Schulabsolvent*innen eine fundierte und breite Berufserkundung im Handwerk zu
bieten, gibt es das Pilotprojekt Freiwilliges HandwerksjahrPLUS der
Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe. Dabei können Freiwillige innerhalb eines
Jahres bis zu vier Ausbildungsberufe kennenlernen. Wir unterstützen die
Handwerkskammern bei der flächendeckenden Einführung im Land.
Berufskollegs haben eine zentrale Rolle in der beruflichen Bildung. Wir statten
sie zeitgemäß digital aus, unterstützen sie mit Personalressourcen sowie mehr
eigener Personalverantwortung bei der Stellenbesetzung. Wir initiieren
Innovationslabore an bzw. mit Berufskollegs im Zusammenwirken mit den Kammern.
Leistungen im Rahmen der dualen Ausbildung sollen stärker für das Studium
anerkannt werden. Exzellenz in der beruflichen Bildung wollen wir fördern.
Schüler*innen sollen die Möglichkeiten der beruflichen Bildung systematischer
und früher als bisher kennenlernen und sich schon in der Schule von den Chancen
einer dualen Ausbildung überzeugen können. Dazu setzen wir verstärkt auf
Ausbildungsbotschafter*innen, Orientierungstage an Schulen, digitale Beratung,
mehr Praxisabschnitte und gendersensible Berufsorientierung. Bei Berufserkundung
oder bei Praktika geben wir allen Schüler*innen die Chance, Handwerks- oder
Industriebetriebe kennenzulernen, und nehmen Schüler*innen ohne Abschluss
gezielt in den Blick.
Um mehr Menschen niedrigschwellig den Einstieg in Arbeit zu ermöglichen, setzen
wir auf Teilqualifikationen: Berufe werden in einzelne Segmente zerlegt, so dass
Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung oder Zuwanderungsgeschichte
schrittweise bis zur vollständigen Berufsprüfung gelangen können. IHKen und
Handwerkskammern in NRW unterstützen wir dabei, dieses Angebot landesweit
auszubauen. Gleichzeitig sollen die Berufsbildungszentren technisch auf den
neuesten Stand gebracht werden. Hybride Lernformate sorgen dafür, dass niemand
wegen zusammengelegter Kurse wochenlang stundenlange Anfahrtswege in Kauf nehmen
muss.
Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig. Sie schließen sich nicht
aus, sondern ergänzen sich: Wir erleichtern das berufsbegleitende Studium und
schaffen zusätzliche duale Studiengänge. Der Meisterabschluss bleibt ein
Gütesiegel handwerklicher Arbeit, das wir sichern wollen. Seine Gleichwertigkeit
mit dem akademischen Bachelor im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) muss
endlich rechtlich festgeschrieben werden.
Für viele junge Menschen scheitert die Ausbildung schon an der Miete, weshalb
gerade in Großstädten reihenweise Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Aus
diesem Grund möchten wir nach dem Vorbild der Studierendenwerke
Auszubildendenwerke schaffen, die bezahlbare Wohnheimplätze, günstiges Essen,
Kinderbetreuung und Beratung rund um BAföG und finanzielle Unterstützung
bereitstellen.
Ausbildung muss sich außerdem flexibler an die Lebensrealität anpassen. Deshalb
machen wir Teilzeitausbildungen unter anderem durch flexiblere Modelle der
Berufsschulbildung flächendeckend möglich, und führen das erfolgreiche Programm
"Teilzeitberufsausbildung – Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen" (TEP)
landesweit konsequent fort. Das Programm ist besonders wichtig für Eltern nach
der Elternzeit und für Menschen, die parallel zu ihrem Sprachkurs eine
Ausbildung beginnen möchten. Mit den Handwerkskammern und IHKen wollen wir
gemeinsam ein Modell entwickeln, wie die finanzielle Verantwortung für mehr
Ausbildungsplätze auf mehr Schultern verteilt werden kann. Gemeinsam mit
Betrieben und weiteren Akteuren helfen wir benachteiligten Jugendlichen gezielt
dabei, einen Ausbildungsplatz zu finden und zu halten. In noch mehr Branchen
wollen wir ein Azubi-Ticket – das vergünstigte Deutschlandticket – umsetzen.
Mehr Anerkennung und finanzielle Anreize in den Betrieben machen die Ausbildung
insgesamt attraktiver.
Wer eine Ausbildung beginnt, braucht die Sicherheit, sie auch beenden zu können.
Deshalb setzen wir uns für verlässliche Bleibeperspektiven für Azubis mit
ungesichertem Aufenthaltsstatuts während der Ausbildung und beim anschließenden
Einstieg in das Berufsleben ein. Junge Menschen sollen trotz erfolgreicher
Ausbildung und guter Perspektiven nicht um ihren Aufenthalt fürchten müssen.
Gleichzeitig geben wir Ausbildungsbetrieben die Sicherheit, dass ihre
Investition in Ausbildung und Integration nicht durch eine drohende Abschiebung
zunichte gemacht wird.
Weiterbildung darf kein Privileg für Menschen in Großunternehmen sein. Digitale
Grundkompetenz gehört für uns in jedes Lebensalter. Gerade ältere Menschen
wollen wir mit niedrigschwelligen Angeboten für den Umgang mit digitaler
Verwaltung und sozialen Medien fit machen. Auch akademische Weiterbildung gehört
für uns dazu: Wir bauen sie an den Hochschulen nach den neuen Möglichkeiten des
Hochschulgesetzes aus und verzahnen Hochschulen stärker mit der Arbeitswelt,
damit lebensbegleitendes Lernen auf jedem Bildungsniveau möglich wird.
Ob Handwerk, Pflege oder frühkindliche Bildung: Wo Fachkräfte fehlen, öffnen wir
zusätzliche Türen. Den zweiten Bildungsweg über Volkshochschulen und freie
Träger bauen wir aus, damit niemand ohne Schulabschluss oder Ausbildung
zurückbleibt. Die Berufskollegs entwickeln wir zu echten regionalen Zentren der
beruflichen Weiterbildung. Wir schaffen berufsbegleitende Qualifizierungswege in
Mangelberufen wie der Kindertagespflege und dem Lehrpersonal in der Pflege und
nutzen konsequent die Fördermöglichkeiten von Arbeitsagentur, Jobcentern und
Rentenversicherung, damit mehr Menschen sich einen Quer- oder Seiteneinstieg
überhaupt leisten können.
Wer sich zum Meister oder zur Meisterin weiterbildet, investiert in die eigene
Zukunft und stärkt zugleich unser Handwerk. Mit der Meisterprämie und der
ausgebauten Meistergründungsprämie haben wir die berufliche Weiterbildung und
den Schritt in die Selbstständigkeit bereits deutlich attraktiver gemacht. Diese
Instrumente wollen wir verstetigen und weiterentwickeln – gerade auch, um die
Übernahme bestehender Betriebe zu erleichtern und die anstehende Welle von
Betriebsnachfolgen zu unterstützen. Zugleich setzen wir uns für mehr Stipendien
und eine stärkere Begabtenförderung in der beruflichen Bildung ein. Unser Ziel
bleibt die finanzielle und gesellschaftliche Gleichwertigkeit von beruflicher
und akademischer Bildung.
Wer sich beruflich weiterbildet, verdient Verlässlichkeit. Der Bildungsscheck
hat sich bewährt und läuft aktuell als Bildungsscheck 2.0 bis 2029. Wir wollen
ihn über dieses Datum hinaus dauerhaft fortführen, unabhängig von EU-
Förderzyklen, und ihn so weiterentwickeln, dass er einfacher und schneller
zugänglich wird. Denn wer erst mühsam Anträge stellen muss, verzichtet im
Zweifel lieber ganz auf die Weiterbildung. Auf das Potential, das NRW damit
verloren ginge, können und wollen wir nicht verzichten.
Damit der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel des Landes für alle
gelingt, wollen wir möglichst viele Menschen für lebensbegleitendes Lernen
gewinnen. Wir unterstützen den Ausbau der akademischen Weiterbildung an den
Hochschulen nach den neuen Möglichkeiten des Hochschulgesetzes und verzahnen
Hochschulen stärker mit der Arbeitswelt, um den Anforderungen der Transformation
gerecht zu werden
Wissenschaft und Forschung in NRW sind schon heute Weltklasse: von
Gesundheitsforschung bis hin zu Cybersicherheit. Genau diese Stärke wollen wir
erhalten und ausbauen, denn ohne exzellente Hochschulen keine Innovation „made
in NRW“. Freie, von Neugier getriebene Forschung und Grundlagenforschung sind
dafür unverzichtbare Grundsteine. Kostenlose Hochschulbildung ist eine
Errungenschaft, die wir verteidigen: Sie öffnet Perspektiven und
Aufstiegsmöglichkeiten und ist damit ein zentraler Baustein für soziale
Gerechtigkeit in NRW. Ebenso wichtig ist inter- und transdisziplinäre sowie
anwendungsorientierte Forschung, die konkrete Beiträge zu gesellschaftlichen
Herausforderungen erarbeitet, aber genau diese kommt bislang oft zu kurz.
Deshalb fördern wir sie gezielter und bauen dazu auch die Johannes-Rau-
Forschungsgemeinschaft institutionell weiter aus. Mit den Hochschulen als Orten
gesellschaftlicher Verantwortung gehen wir konsequent den Weg zur
Klimaneutralität.
Wissenschaft braucht Verlässlichkeit, keine Zufallsfinanzierung von Projekt zu
Projekt. Unser Ziel: Öffentliche Förderung muss stärker in die Grundfinanzierung
der Hochschulen fließen und weniger in befristete Projektmittel, damit
Hochschulen wirklich unabhängig von Drittmitteln planen können, auch personell.
Wir stehen für eine Wissenschaftspolitik, die Dialog fördert, Perspektiven und
Innovation schafft und Spitzenforschung ermöglicht – für Studierende, Lehrende,
Forschende und die Gesellschaft als Ganzes. Wir wollen zu einem resilienten
Wissenschaftssystem kommen, das ökonomische Krisen und gesellschaftlichen Wandel
besser bewältigen kann, das internationalen Spannungen und Konflikten mit
Aufklärung und einer klaren Haltung begegnet und das einer vielfältigen, sich
stetig wandelnden Gesellschaft entspricht.
Die Studierendenzahlen gehen etwas zurück und gerade die Umstellung auf G9 führt
aktuell zu deutlich weniger Studierenden. Dies führt dazu, dass Hochschulen mehr
um Studierende konkurrieren. Damit daraus aber kein Verdrängungswettbewerb wird,
setzen wir auf Kooperation, auf gemeinsame Infrastrukturen, aufeinander
abgestimmte Studiengänge und den bedachten Abbau echter Doppelstrukturen.
Studienangebote und Standorte wollen wir vorausschauend und stärker landesweit
abgestimmt weiterentwickeln. Wir sorgen dafür, dass die Studienkapazitäten in
Bereichen, die einen besonders hohen Fachkräftebedarf haben – insbesondere wo es
darum geht, staatliche Funktionen zu erfüllen –, bedarfsgerecht zeitnah erhöht
werden. Kleine Fächer und die regionale Bildungsbeteiligung sichern wir ab.
Ausgewählte Studiengänge mit landesweiter Bedeutung etablieren wir als
Fernstudiengänge, damit Angebote erhalten bleiben, auch wenn sie sich an einem
einzelnen Standort nicht mehr tragen.
Wer gemeinsam entscheidet, entscheidet besser: Deshalb stärken wir den Senat
gegenüber Rektorat und Hochschulrat und machen eine ausgewogene Beteiligung
aller Statusgruppen wieder zum Standard, damit nicht über die Köpfe von
wissenschaftlichem Mittelbau, Verwaltung und Studierenden hinweg entschieden
werden kann. Wir setzen zudem Anreize für studentische Mitwirkung in der
Selbstverwaltung der Hochschulen und evaluieren das Hochschulstärkungsgesetz mit
dem Ziel, notwendige Verbesserungen vorzunehmen. Das Lehrstuhl-Modell ist ein
Relikt, deshalb unterstützen wir Hochschulen beim Umstieg auf
Departmentstrukturen, die nicht nur Machtmissbrauch vorbeugen, sondern auch neue
Karrierewege unterhalb der Professur eröffnen.
Innerhalb der Hochschulen tragen Rektorate und Professor*innen besondere
Verantwortung – deshalb stärken wir gezielt ihre Führungskompetenzen. Gute
Führung heißt für uns: Vertrauen schaffen, Verantwortung übernehmen und
Mitgestaltung ermöglichen. Sie fördert Talente, sorgt für faire
Arbeitsbedingungen, schützt vor Machtmissbrauch und zeigt eine klare Haltung
gegen Demokratiefeinde.
Exzellente Lehre und Forschung gibt es für die, die sie leisten, nicht zum
Nulltarif. Auch studentische und wissenschaftliche Beschäftigte verdienen gute
und faire Löhne. Dafür wollen wir arbeiten, zum Beispiel mit mehr Verträgen
innerhalb des Tarifvertrags der Länder (TVL). Studentische und wissenschaftliche
Beschäftigte müssen vollständig nach dem Tarifvertrag der Länder besoldet
werden. Wer dauerhafte Aufgaben in Forschung, Lehre, Verwaltung oder
Infrastruktur übernimmt, muss auch eine dauerhafte Stelle statt endloser
Befristung erhalten. Wir unterstützen die Weiterentwicklung des “Vertrags über
gute Beschäftigungsbedingungen” sowie neue Karrierewege neben der Professur und
im Wissenschaftsmanagement. Um die Qualität der Lehre zu verbessern, sollen
Lehrende außerdem stärker mit den Angeboten der Hochschuldidaktik
zusammenarbeiten.
Ob ohne akademischen Familienhintergrund, mit Zuwanderungsgeschichte oder mit
Behinderung und chronischer Erkrankung: Der Zugang zum Studium darf nicht am
Geldbeutel, fehlender Beratung oder mangelnder Barrierefreiheit scheitern. Wir
bauen gezielte Unterstützungsprogramme, bessere Beratung und konsequente
Barrierefreiheit aus. Auch Hürden innerhalb des Studiums schaffen wir ab. Starre
Begrenzungen von Prüfungsversuchen können dazu führen, dass eine einzelne
Prüfung über das endgültige Scheitern eines ganzen Studiums entscheidet. Deshalb
setzen wir uns dafür ein, dass Modulprüfungen ohne starre Obergrenze für die
Prüfungsversuche wiederholt werden können. Nach wiederholten Fehlversuchen soll
eine verbindliche Studienberatung gemeinsam mit den Studierenden Wege für einen
erfolgreichen Studienverlauf aufzeigen.
Gute Studienbedingungen beginnen bei Wohnen, Mensa und Beratung. Ihr soziales
Rückgrat sind die Studierendenwerke. Auf Grundlage der
Organisationsuntersuchungen haben wir ihre Modernisierung bereits angestoßen.
Diesen Weg setzen wir fort: Wir stärken ihre Zusammenarbeit und Digitalisierung,
schaffen mehr Planungssicherheit und entwickeln ihre Finanzierung und Strukturen
so weiter, dass bezahlbares Essen, Wohnraum, Beratung und weitere soziale
Angebote dauerhaft gesichert werden können. Dabei rücken wir die psychische
Gesundheit von Studierenden stärker in den Fokus.
Wir schützen die Freiheit und Vielfalt in der Wissenschaft. Wissenschaft kann
nur auf dem Boden des Grundgesetzes stattfinden, denn die Wissenschaftsfreiheit
und die freie Berufswahl sind ihre Grundpfeiler. Der Unterwanderung von
Hochschulen durch Rechtsextreme setzen wir uns gemeinsam entgegen.
Antisemitismus hat an unseren Hochschulen ebenfalls keinen Platz. Wir
unterstützen die Hochschulen darin, Studierende und Beschäftigte effektiv vor
Diskriminierung und Gewalt zu schützen und Vorfälle konsequent zu ahnden. Der
Wissenschaftsspionage durch ausländische Mächte begegnen wir mit abgestimmten
Strategien. Unsere Hochschulen erhalten dabei klare Rückendeckung. Wir
unterstützen die Wissenschaft dabei, noch besser in die Gesellschaft zu
kommunizieren, und stärken die Demokratiebildung an den Hochschulen.