Als fachlich zuständige LAG der GRÜNEN NRW sind wir nach intensiver Diskussion und gründlicher Abwägung einstimmig zu der Einschätzung gekommen, dass dieses Unterkapitel trotz guter Ansätze insgesamt einer Überarbeitung bedarf. Der vorliegende Änderungsantrag ist deshalb als Generalalternative zum Unterkapitel "Psychische Gesundheit“ in den Zeilen 327 bis 364 zu sehen:
- Psychische Gesundheit ist vor allem auch eine Frage der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und darf deshalb nicht nur von der Versorgungsseite gedacht werden, sondern wie Robert Habeck immer gesagt hat „vom Menschen her“. Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe, nicht nur eine des Staates, deshalb auch die umformulierte Überschrift!
- Mentale Gesundheit muss flächendeckend als Aufgabe der Prävention gedacht werden. Dies führt nicht nur dazu, dass die spätere psychotherapeutische Versorgung weniger beansprucht wird, sondern auch dazu, dass Menschen gesünder und glücklicher leben. Aus diesem Grund sollten wir im Sinne des Public Mental Health Ansatzes der WHO vorangehen und mentale Gesundheit als Querschnittsaufgabe in allen Sektoren der Politik mitdenken.
- Wenn wir eins aus den aktuellen politischen Diskussionen mitnehmen sollten, dann dass Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht stigmatisiert und kriminalisiert werden dürfen. Stichwort: PsychKG-Gesetz.
- Eine klare Aussage, dass wir die Kapazitäten in der psychosozialen Versorgung nicht reduzieren dürfen fehlt bisher in diesem Kapitel, was angesichts der dortigen Honorarkürzungen akut droht. Wir sagen im Gegenteil: Die aktuelle psychotherapeutische Versorgung ist nicht ausreichend und muss daher dringend ausgebaut werden! Niedrigschwellige Angebote wie psychotherapeutische und psychosoziale Ambulanzen bieten z.B. eine gute und notwendige Möglichkeit der Prävention. Jedoch ist es ebenso wichtig, die Mittel des Landes NRW so gut, wie möglich zu nutzen, um die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern. So tragen wir zu einer vollumfänglichen psychotherapeutischen Versorgung bei.
- Den Fehler aus der Pandemie, Kinder und Jugendliche allein gelassen zu haben müssen wir energisch korrigieren. Kinder und Jugendliche brauchen deshalb einen verlässlich abgesicherten Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung. Der Versorgungsanteil soll sich an wissenschaftlich ermittelten Bedarfen orientieren. Die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen verbindet idealerweise Behandlung mit Unterstützung im familiären, schulischen und sozialen Umfeld. Integrierte Versorgungsmodelle sollen Übergänge erleichtern und Versorgungslücken vermeiden.
- Besonders wichtig ist es, hier bereits präventiv anzusetzen und die Resilienz von Kindern zu stärken. Dazu gibt es bereits Angebote, z.B. durch einige Sozialpsychiatrische Zentren, ebenso hatte der LVR im Jahr 2020 ein Förderprogramm aufgelegt, an dem sich die Jugendämter im Rheinland beteiligen konnten. Es wäre jedoch wichtig, hier nicht nur auf eine „Komm – Struktur“ zu setzen, sondern betroffene Kinder gezielt in diese Angebote zu vermitteln und ihnen damit mehr Sicherheit für ihre weitere Entwicklung zu geben. Gleichzeitig ließen sich damit voraussichtlich generationenübergreifende Zugänge in die psychiatrische Versorgung verringern.
- Einen besonderen Fokus sollten wir dabei auf die mehr als zwei Drittel der Kinder von psychisch erkrankten und suchtkranken Eltern legen, die im späteren Leben ebenfalls eine körperliche oder psychische Erkrankung entwickeln (Prof. Michael Klein, Deutsches Institut für Sucht- und Präventionsforschung). Die Kinder sind besonderen Belastungen ausgesetzt und fühlen sich oft (mit-)schuldig an der Erkrankung der Eltern. Darüber hinaus ist es für sie vielfach schwierig, soziale Kontakte zu knüpfen.
- Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern, z.B. aus dem Bezirk Oberbayern, zeigen dass durch den Einsatz von Krisendiensten häufig psychische Ausnahmesituationen entschärft und die betroffenen Personen der psychiatrischen Regelversorgung zugeführt werden können. Zwangseinweisungen können somit reduziert werden. Diese bedeuten für die betroffenen Personen oft eine zusätzliche Traumatisierung, die die Bereitschaft zur freiwilligen Behandlung herabsetzen.
- Es gibt schon jetzt viele politische, kulturelle oder soziale Initiativen, die sich dafür einsetzen, dass Menschen sich begegnen und gemeinsam etwas Neues kennen lernen oder ausprobieren können. Neben der wichtigen Idee, mehr Möglichkeiten, wie diese zu schaffen, ist es wichtig, die bestehenden zu erhalten. Viele kulturelle oder sportliche Einrichtungen bangen um ihre Finanzierung. Wir gehen bereits in unserem Wahlprogramm darauf ein, dass wir diese ERHALTEN wollen, wir sollten es auch hier tun.