Die Klimakrise, der Verlust der Biodiversität, globale Ungleichheiten oder auch Ressourcenknappheit stellen unsere Gesellschaft vor komplexe Herausforderungen. Geographie verbindet als einziges Schulfach natur- und gesellschaftswissenschaftliche Perspektiven und ermöglicht es, diese Herausforderungen in ihren räumlichen Zusammenhängen zu verstehen und Lösungsansätze zu entwickeln. Damit kommt dem Fach eine besondere Bedeutung für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu.
Die Roadmap 2030 der geographischen Fachverbände fordert deshalb, Geographie als Leitfach der BNE anzuerkennen, die naturwissenschaftliche Bildung im Fach zu stärken und geographische Bildung in der digitalen Welt auszubauen. Auch für NRW wurden entsprechende Empfehlungen beispielsweise für eine stärkere Stellung des Faches in der Sekundarstufe II entwickelt. Während Geschichte und Sozialwissenschaften im gesellschaftswissenschaftlichen Fächerbereich verpflichtend verankert sind, ist Geographie nicht in gleicher Weise abgesichert. Dies schränkt die Möglichkeit ein, Schüler*innen flächendeckend mit den spezifischen Kompetenzen des Faches vertraut zu machen. Außerdem haben auch die Schüler*innen selbst hierdurch teilweise nur eingeschränkte Wahlmöglichkeiten. Auch in anderen Schulformen und Jahrgangsstufen ist das Fach gegenüber den anderen Fächern desa gesellschaftswissenschaftlichen Fächerbereichs teilweise mit geringeren Stundenanteilen oder nur eingeschränkteren Wahlmöglichkeiten vertreten. Damit bleibt das Potenzial der Geographie für eine zeitgemäße Bildung für nachhaltige Entwicklung vielfach ungenutzt.
Gerade angesichts der großen Zukunftsfragen braucht es Schüler*innen, die komplexe Mensch-Umwelt-Beziehungen verstehen, unterschiedliche Perspektiven einordnen und nachhaltige Handlungsoptionen entwickeln können. Dabei spielen auch räumliches Denken, Karten- und Datenkompetenz sowie der reflektierte Umgang mit digitalen Technologien und Künstlicher Intelligenz eine zunehmend wichtige Rolle im Geographieunterricht des 21. Jahrhunderts. Das Fach Geographie leistet damit einen wichtigen Beitrag zu Klimagerechtigkeit und globaler Gerechtigkeit. Es macht sichtbar, dass die Folgen der Klimakrise, des Biodiversitätsverlusts und der Ressourcenverknappung räumlich und gesellschaftlich ungleich verteilt sind und dass unterschiedliche Menschen und Regionen in unterschiedlichem Maße zu diesen Entwicklungen beitragen und von ihnen betroffen sind.
Eine starke geographische Bildung ist damit ein wichtiger Bestandteil einer Bildungspolitik, die junge Menschen im 21. Jahrhundert dazu befähigt, Verantwortung für ihre Umwelt zu übernehmen, globale Zusammenhänge zu verstehen und die sozial-ökologische Transformation demokratisch mitzugestalten.