Begründung zum Änderungsantrag: Pflegefamilien verlässlich stärken
Pflegefamilien sind kein Lückenfüller im Jugendhilfesystem. Sie übernehmen Verantwortung, die unsere Gesellschaft dringend braucht, häufig rund um die Uhr, über viele Jahre und unter Bedingungen, die weit über den normalen Familienalltag hinausgehen.
Gerade Pflegekinder mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, FASD oder besonderen pädagogischen Bedarfen benötigen ein hohes Maß an Stabilität, Verständnis und individueller Förderung. Pflegefamilien leisten diese Arbeit jeden Tag. Was sie dafür brauchen, ist keine gelegentliche Anerkennung, sondern ein Unterstützungssystem, auf das sie sich tatsächlich verlassen können.
Es kann nicht sein, dass Pflegefamilien erst an ihre Belastungsgrenze kommen müssen, bevor Hilfe organisiert wird.
Beratung, Entlastung und Krisenintervention müssen selbstverständlich verfügbar sein, präventiv, qualifiziert und ohne bürokratische Hürden.
Ebenso wenig darf die Postleitzahl darüber entscheiden, ob ein Pflegekind die Unterstützung bekommt, die es braucht. Unterschiedliche kommunale Strukturen dürfen nicht zu unterschiedlichen Chancen für besonders schutzbedürftige Kinder führen.
Wer Pflegefamilien stärken will, muss deshalb über Wertschätzung hinausgehen und verbindliche Rahmenbedingungen schaffen.
Denn wenn Pflegefamilien an fehlender Unterstützung scheitern, tragen die Folgen vor allem diejenigen, die bereits Brüche und Unsicherheit erlebt haben: die Kinder.
Unser Anspruch muss sein: Nicht Pflegefamilien müssen sich einem unzureichenden Hilfesystem anpassen. Das Hilfesystem muss sich an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien orientieren.