Das Ziel, dass jedes Kind vor der Einschulung eine Kita besucht, ist richtig und wichtig. Eine Kitapflicht suggeriert jedoch, dass viele Eltern ihre Kinder bewusst nicht in eine Kita geben wollen (!). Das ist glücklicherweise nicht zutreffend, vielmehr haben wir seit Jahren einen massiven Platzmangel, der dazu führt, dass insbesondere Kinder aus bildungsferneren Elternhäusern, mit erhöhtem Förderbedarf, in Armutslagen oder aus Familien mit nicht deutscher Familiensprache geringere Chancen auf einen Platz haben. Intransparente und komplizierte Vergabeverfahren, hohe Elternbeiträge oder teure Entgelte für Mahlzeiten sind Hindernisse, die abgebaut werden müssen, damit alle Kinder und insbesondere die Kinder, die besonders von der Förderung profitieren würden, Zugang zu frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung erhalten.
Diskriminierung bei der Platzvergabe wurden mittlerweile wissenschaftlich untersucht https://nifbe.de/fachbeitraege/institutioneller-rassismus-in-kindertageseinrichtungen/ : "So bestätigen Auswertungen der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS), dass der Betreuungsbedarf beziehungsweise Wunsch nach einem Kitaplatz bei mehr als jedem fünftem Kind mit Migrationshintergrund (20,5 %) nicht erfüllt wird, während die Differenz zwischen Betreuungswunsch und tatsächlicher Bedarfsabdeckung bei Familien, in denen kein oder nur ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat, bei lediglich 11 % liegt (Jessen et al. 2018: 270). Aktuelle Analysen von KiBS-Daten bestätigen dies und zeigen, dass sich solche Differenzen im Zugang zur Kita im Hinblick auf nichtdeutsche Familiensprachen noch einmal verstärken. So liegt die Differenz zwischen Betreuungswunsch und Bedarfsabdeckung bei Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache sogar bei 28 % gegenüber 11 % (Schmitz et al. 2023: 3)".
Zudem sprechen sich auch Verbände wie z.B. der Paritätische gegen eine Kitapflicht aus https://www.landeskirche-hannovers.de/presse/nachrichten/2026/07/23-experte-kita-pflicht-wuerde-vertrauensverhaeltnis-zu-eltern-belasten: "Eine Kindergarten-Pflicht, die letztlich vom Kita-Personal kontrolliert und sanktioniert werden müsse, sei kontraproduktiv. Pflichten und Zwänge würden die auf Vertrauen beruhende Erziehungspartnerschaft zwischen Fachkräften und Eltern belasten."
Durch die sinkenden Geburtenraten könnte es zeitnah für jedes Kind einen Platz geben, deshalb ist es vollkommen ausreichend, wenn Hürden ins System abgebaut werden und die Eltern aktiv (mehrsprachig / in einfacher Sprache) kontaktiert und bei den komplizierten Anmeldeverfahren unterstützt werden.