Ein Unterrichtsfach steht und fällt mit seinen Materialien. Beim islamischen Religionsunterricht fehlten verlässliche, genehmigte Lehrwerke lange Zeit, und Lehrkräfte mussten Unterrichtsmaterial zum Teil selbst zusammenstellen oder mit Übergangslösungen arbeiten. Das bindet Zeit, erschwert die Qualitätssicherung und führt zu großen Unterschieden zwischen einzelnen Schulen. Der Antrag setzt deshalb bei den Lehrwerken an: Genehmigungsverfahren werden beschleunigt, zugleich werden sie transparent und durch unabhängige Begutachtungen abgesichert. Das schafft Verlässlichkeit für Lehrkräfte und Verlage und sichert die fachliche Qualität. Deutschsprachige, pluralitätsfähige und didaktisch hochwertige Materialien, auch in digitaler Form, stellen sicher, dass der Unterricht die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler in Deutschland aufgreift und unterschiedliche Auslegungstraditionen des Islam sichtbar macht, statt eine einzelne Lesart zu vermitteln.
Auch die Kernlehrpläne müssen mit den gesellschaftlichen Herausforderungen Schritt halten. Soziale Medien prägen die religiöse und politische Meinungsbildung junger Menschen erheblich. Antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus sind Realität im Schulalltag und im Netz. Ein Unterricht, der darauf vorbereiten soll, in einer vielfältigen Demokratie zu leben, muss diese Themen systematisch aufgreifen. Die Zertifikatskurse für Lehrkräfte sind ein wichtiges Instrument der Qualifizierung, werden bislang jedoch nicht einheitlich durchgeführt. Eine Evaluation und landesweite Vereinheitlichung sorgen dafür, dass Qualifikationen vergleichbar und anerkannt sind und dass Lehrkräfte unabhängig von Region oder Anbieter dieselben Standards erreichen.
Muslimisches Leben ist in NRW Teil der Normalität, im Schulalltag aber häufig mit Unsicherheit verbunden. Viele Lehrkräfte und Fachkräfte haben kaum Gelegenheit, sich mit der Vielfalt muslimischen Lebens fundiert auseinanderzusetzen. Das begünstigt Verkürzungen, Stereotype und im schlimmsten Fall Ausgrenzung. Fortbildungen für Lehrkräfte und pädagogisches Personal vermitteln Fachwissen und Handlungssicherheit und tragen dazu bei, Muslime nicht auf Konfliktthemen zu reduzieren.
Kooperatives, interreligiöses und interkulturelles Lernen zwischen islamischem, katholischem und evangelischem Religionsunterricht sowie den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern lässt Schülerinnen und Schüler erleben, dass Dialog im Klassenzimmer selbstverständlich ist. Wer früh gelernt hat, die eigene Position zu erklären und andere Perspektiven auszuhalten, ist besser gegen Abwertung und einfache Feindbilder gewappnet. Dies stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ergänzt die Präventionsarbeit an Schulen.
Schließlich fehlt es an klaren Vorgaben für den Umgang mit muslimischem Leben im Schulalltag. Fragen zu Feiertagsregelungen, zum Schutz vor antimuslimischem Rassismus oder zur Anerkennung muslimischer Schülerinnen und Lehrkräfte werden bislang vielerorts uneinheitlich und von Fall zu Fall beantwortet. Das überlastet Schulleitungen und führt zu Ungleichbehandlung. Landesweite Handreichungen schaffen Orientierung und Rechtsklarheit für alle Beteiligten. Sie entsprechen der Forderung des Programms nach verbindlichen Standards gegen Diskriminierung im Schulalltag und machen deutlich, dass muslimische Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte selbstverständlicher Teil der Schulgemeinschaft sind.