In der Kinder- und Jugendhilfe gibt es junge Menschen, deren Unterstützungsbedarf mit den vorhandenen Angeboten nicht ausreichend aufgefangen werden kann. Viele von ihnen haben bereits belastende Erfahrungen, Beziehungsabbrüche und wiederholte Wechsel zwischen Einrichtungen erlebt. Gerade diese Kinder und Jugendlichen brauchen verlässliche Beziehungen, Kontinuität und Hilfen, die sich an ihrer individuellen Lebenssituation orientieren.
Doch es fehlen geeignete intensivpädagogische Angebote und ausreichend flexible Möglichkeiten, auf komplexe Hilfebedarfe zu reagieren. Starre Strukturen, begrenzte Kapazitäten und unklare Zuständigkeiten führen dazu, dass notwendige Hilfen nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen oder bestehende Hilfeverläufe abbrechen. Die Folgen tragen vor allem die betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Deshalb müssen intensivpädagogische Angebote bedarfsgerecht ausgebaut und weiterentwickelt werden. Neben zusätzlichen Kapazitäten braucht es flexible Hilfeformen, die auch unkonventionelle Lösungen ermöglichen. Nicht die jungen Menschen müssen sich den vorhandenen Strukturen anpassen, sondern die Hilfen müssen ihren Bedürfnissen gerecht werden.
Gleichzeitig braucht es eine bessere Abstimmung zwischen den beteiligten Hilfesystemen. Regionale Koordinierungs- und Clearingstellen können Jugendämter bei besonders komplexen Hilfeverläufen fachlich unterstützen, vorhandene Angebote und freie Kapazitäten transparent machen und die Entwicklung passgenauer Hilfen koordinieren. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Schule und Eingliederungshilfe muss verbessert werden.
Damit werden Jugendämter entlastet, vorhandene Ressourcen besser genutzt und belastende Hilfe- und Unterbringungsabbrüche möglichst vermieden. Ziel ist eine Kinder- und Jugendhilfe, die auch bei besonders schwierigen Lebenssituationen Verantwortung übernimmt und dafür sorgt, dass kein junger Mensch zwischen Zuständigkeiten und Hilfesystemen verloren geht.