| Veranstaltung: | Landesdelegiertenkonferenz 20./21. Juni 2026 in Troisdorf |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8. Verschiedenes |
| Antragsteller*in: | Jürgen Blümer (KV Warendorf) |
| Status: | Zurückgezogen (unsichtbar) |
| Angelegt: | 01.05.2026, 18:03 |
Unabhängige Kommission zum politischen Handeln zu den Castor-Transporte
Antragstext
Die LDK NRW fordert den Landesvorstand auf, eine unabhängige Kommission
einzusetzen, die die Umstände der Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus
aufarbeitet.
Die Kommission soll
- analysieren, wie es trotz unserer klaren Positionierungen in LDK-
Beschlüssen und im Koalitionsvertrag zur Durchführung der Transporte
kommen konnte,
- Herausforderungen und Entscheidungsprozesse identifizieren, die dazu
führten, dass unsere Beschlüsse nicht umgesetzt wurden,
- Handlungsempfehlungen erarbeiten, wie wir künftig eine kohärente Umsetzung
unserer Parteibeschlüsse und Koalitionsvereinbarungen in Regierungsarbeit
sicherstellen können,
- der LDK NRW und der Öffentlichkeit zeitnah über ihre Ergebnisse berichten.
Begründung
Die Durchführung der Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus steht in einem offensichtlichen Spannungsverhältnis zu unseren demokratisch legitimierten Positionierungen:
- Der Schwarz-Grüne Koalitionsvertrag 2022–2027 für NRW lehnt die Transporte ab: „Wir lehnen die geplanten Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus ab und setzen uns für eine sichere Zwischenlagerung am Standort Jülich ein.“
- Wir haben in zwei LDK-Beschlüssen (Juni 2024, Mai 2025) die Transporte explizit abgelehnt und die Landesregierung aufgefordert, den Koalitionsvertrag umzusetzen, der eine Lösung in Jülich vorsieht.
Trotz dieser klaren Vorgaben wurden die Transporte nicht verhindert. Eine Aufarbeitung ist notwendig, um zu verstehen, welche politischen, rechtlichen oder organisatorischen Faktoren dazu führten, dass unsere Beschlusslage und das Regierungshandeln auseinanderfielen.
Das Scheitern bei der Verhinderung der Castor-Transporte wirft die Frage auf, ob wir Grünen in NRW langfristig Gefahr laufen, unsere inhaltlichen Grundsätze zugunsten von Regierungsroutinen aufzugeben. Historisch zeigt sich, dass Parteien, die über Jahre hinweg Regierungsverantwortung tragen, zunehmend eigene Beschlüsse relativieren – nicht aus Überzeugung, sondern aus dem Zwang des Machbaren.
Die Castor-Transporte sind für uns ein Alarmzeichen: Wenn wir trotz klarer Beschlüsse und Koalitionsvereinbarungen zentrale Forderungen nicht durchsetzen, verlieren wir nicht nur an Glaubwürdigkeit, sondern riskieren, unsere politische Identität preiszugeben. Die Gefahr besteht, dass aus uns – einer Bewegung, die gesellschaftlichen Wandel gestalten will – eine Partei wird, die vor allem eines im Blick hat: den Erhalt der Regierungsbeteiligung, selbst um den Preis unserer Grundsätze.
Die Aufarbeitung der Castor-Transporte ist für uns mehr als eine technische Analyse – sie ist eine Weichenstellung für unsere Zukunft. Nur wenn unsere Beschlüsse verbindlich umgesetzt werden, bleiben wir handlungsfähig und vertrauenswürdig.
Die Kommission soll aufzeigen, wie wir sicherstellen können, dass unsere inhaltlichen Überzeugungen – wie der Atomausstieg oder die Vermeidung unnötiger Risiken – nicht dem Regierungsalltag geopfert werden. Die Ergebnisse müssen die Grundlage für eine offene Debatte in unserer Partei sein: Wie können wir verhindern, dass aus uns eine Partei wird, die Regieren zur Selbstzweck erklärt?
Die Kommission kann sich an der Studie „Strukturen des Fortschritts - Die grüne Regierungspraxis in der Ampel-Koalition“ orientieren, die im Juni 2025 als Auftragsarbeit der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht wurde. Ziel der Studie war es, über den Blick hinter die Kulissen einen Beitrag zu leisten zum Verständnis der Komplexität der politischen Prozesse.
Die Castor-Transporte sind für uns mehr als ein logistisches Problem – sie sind ein Prüfstein für unsere Zukunft. Entweder wir lernen aus diesem Versagen und stärken die Bindung unserer Regierungsarbeit an unsere Beschlüsse. Oder wir riskieren, den Weg zu gehen, den andere Parteien vor uns gegangen sind: am Ende nur noch zu regieren, ohne zu gestalten.
Die LDK muss diese Weichenstellung jetzt einleiten – für eine Partei, die ihre Prinzipien lebt.