| Veranstaltung: | Landesdelegiertenkonferenz 20./21. Juni 2026 in Troisdorf |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 3.1. Unabhängig von Öl, Gas und Diktatoren |
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | Landesdelegiertenkonferenz |
| Beschlossen am: | 20.06.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Unabhängig von Öl, Gas und Diktatoren
Beschlusstext
Unabhängig von Öl, Gas und Diktatoren
„Rettet die Erneuerbaren!“ – dieser Ruf ist kein einmaliger Protest, sondern
Ausdruck einer wachsenden Ungeduld im Land. Immer mehr Menschen spüren: Die
Energiepolitik der Bundesregierung geht in die falsche Richtung. Statt uns
unabhängig zu machen, hält sie an fossilen Strukturen und damit an steigenden
Preisen, Unsicherheit und Abhängigkeit fest.
Denn jedes Mal, wenn Krisen eskalieren oder Märkte reagieren, zahlen die
Menschen die Rechnung. An der Tankstelle, bei der Heizkostenabrechnung, im
Supermarkt. Diese Abhängigkeit von Öl und Gas ist kein Naturgesetz, sondern das
Ergebnis politischer Entscheidungen. Und sie macht uns verletzlich:
wirtschaftlich, sozial und geopolitisch.
Die Antwort der aktuellen Bundesregierung bleibt trotzdem die gleiche:
kurzfristige Subventionen für fossile Energien, die Milliarden kosten, aber kaum
nachhaltig wirken und von denen oft nicht diejenigen profitieren, die es am
dringendsten brauchen. Das haben wir schon einmal erlebt und wir erleben es
wieder: wir stecken fest in einer Endlosschleife der fossilen Energiepolitik.
Diese Politik ist nicht nur ineffizient, sie verschärft auch die Klimakrise,
weil sie den dringend notwendigen Ausstieg aus Öl und Gas verzögert und uns
weiter auf einen gefährlichen Erwärmungspfad festlegt.
Die einseitige Abhängigkeit von fossilen Energieträgern macht uns wirtschaftlich
und politisch erpressbar von autoritären Regimen. Dabei ist die Lösung längst
klar: Wir müssen so schnell wie möglich raus aus der Abhängigkeit von Öl und
Gas, um unsere Klimaziele einzuhalten. Darum wollen wir, dass unser Strom in NRW
bis 2030 zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Unser Ziel bleibt
weiterhin die Stromproduktion in NRW bis 2035 auf 100 Prozent erneuerbare
Energien umzustellen. Im Land leisten wir GRÜNE unseren Beitrag mit dem
Rekordausbau bei Erneuerbaren, beschleunigten Genehmigungsverfahren sowie
unserer Wasserstoffstrategie. Jetzt ist der Bund gefordert, die zentralen
Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dieses Ziel erreicht wird.
Wir brauchen erneuerbare Energien, die uns unabhängig machen, Preise
stabilisieren, Wertschöpfung im eigenen Land schaffen und die dafür sorgen, dass
Energie bezahlbar bleibt. Sie sind zugleich der wirksamste Hebel, um Klimaschutz
voranzubringen und unsere Lebensgrundlagen zu sichern. Und wir brauchen
Entlastungen, die wirklich bei den Menschen ankommen.
Die Folgen der Klimakrise treffen jedoch nicht alle Menschen gleichermaßen.
Besonders betroffen sind viele Länder des Globalen Südens, die am wenigsten zur
Erderhitzung beigetragen haben, aber bereits heute unter Dürren,
Überschwemmungen und Ernährungsunsicherheit leiden. Deshalb ist der Ausbau
erneuerbarer Energien nicht nur eine Frage der Versorgungssicherheit, sondern
auch ein Beitrag zu globaler Klimagerechtigkeit und internationaler
Verantwortung.
Unabhängigkeit ist keine Frage von Ideologie, Erneuerbare sind kein „Nice-to-
have“. Sie sind eine Frage von Sicherheit, Gerechtigkeit und wirtschaftlicher
Vernunft. Und sie sind Voraussetzung dafür, die Klimaziele einzuhalten.
Wegen Wind und Sonne wurde noch nie ein Krieg angefangen
Deutschland überweist jedes Jahr 80 Milliarden Euro ins Ausland für Öl, Kohle
und Gas. Mit enormem logistischem Aufwand werden diese Energieträger quer über
den Globus transportiert, bevor sie bei uns ankommen. Irrsinnig genug. Noch
dramatischer aber ist, wohin dieses Geld fließt: in die Kassen von Emiren und
Mullahs, von Autokraten und Diktatoren – Menschen, die alles ablehnen, wofür wir
stehen, und alles dafür tun, dass ihre Völker in Unfreiheit leben müssen. Wir
haben mit unserem Gaskonsum über Jahrzehnte Putins Kriegskasse gefüllt. Wir tun
es bis heute mit jedem Öltanker, der anlegt.
Deutschland ist stolz auf seine Verfassung. Auf Gleichberechtigung,
Meinungsfreiheit, Menschenwürde. Diese Werte stehen in unserem Grundgesetz.
Gleichzeitig zementiert jedoch die Energiepolitik der Bundesregierung die
Abhängigkeit von jenen, die genau das Gegenteil davon leben. Das ist ein
Widerspruch, den wir uns nicht länger leisten können. Das ist ein moralisches
Versagen. Wir müssen auch aus humanitären Gründen raus aus Öl und Gas.
Und wir müssen raus, weil es ein Sicherheitsrisiko ist, drin zu bleiben. Wer
abhängig ist von fossilen Energieimporten, gibt seinen größten Feinden den
mächtigsten Hebel über die eigene Wirtschaft aus der Hand: die Kontrolle über
Energie. Wer Energie kontrolliert, kontrolliert Preise, Versorgung, politischen
Spielraum. Wir nennen das Abhängigkeit. Doch wir könnten es auch Erpressbarkeit
nennen. Erneuerbare Energien – Wind, Sonne, heimische Ressourcen – entziehen
diesem Hebel die Macht. Sie machen uns unabhängig und resilient. Abhängigkeit
ist das Ergebnis von politischen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte. Aber
Unabhängigkeit ist ebenso erreichbar mit den richtigen politischen
Entscheidungen. Und das sind erneuerbare Energien und Elektrifizierung. Während
Öl und Gas mal wieder in der Straße von Hormus feststecken, scheint die Sonne
munter auf die Photovoltaikanlagen auf den Dächern NRWs und der Wind bewegt
unsere rund 4.000 Windräder von Aachen bis Minden. Wind und Sonne gehören
niemandem, sie stehen regional zur Verfügung und lassen sich nicht blockieren
oder politisch instrumentalisieren. Sie entziehen geopolitischen Konflikten ihre
Grundlage und sind die Basis für eine Energieversorgung, die verlässlich,
bezahlbar, friedlich, frei und demokratisch ist.
Die Antwort auf Krisen kann nicht sein, fossile Abhängigkeiten weiter zu
subventionieren. Die Antwort muss sein, sie endlich zu überwinden durch den
konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien und einen klaren Kurs Richtung
klimaneutrale Industrieregion in NRW.
Ausbauen statt ausbremsen – Erneuerbare voranbringen
NRW zeigt, wie der Ausbau der Erneuerbaren gelingen kann. Mit konsequenten
politischen Entscheidungen ist es gelungen, den Anteil der Kohle an der
Stromerzeugung auf ein Rekordtief zu senken und den Ausbau der erneuerbaren
Energien deutlich zu beschleunigen. Damit kommen wir unserem Ziel, die erste
klimaneutrale Industrieregion Europas zu werden, Schritt für Schritt näher.
Diesen Weg muss der Bund jetzt entschlossen weitergehen. Wir brauchen
Verlässlichkeit bei Investitionen in den Netzausbau, eine bessere Planung des
Netzausbaus auch im Verteilnetz und Gesetze, mit denen die ambitionierten
Ausbauziele bei Wind und Solar auch erreicht werden können. Fehlender Netzausbau
darf nicht als Vorwand für das Ausbremsen der Energiewende herhalten.
Stattdessen müssen wir dafür Sorge tragen, dass der Netzausbau mit dem hohen
Ausbautempo der erneuerbaren Energien Schritt hält. Intelligente Lösungen für
mehr Effizienz sind gefragt. Anders als vor einigen Jahren sind
Genehmigungsverfahren nicht mehr der zentrale Hemmschuh der Energiewende. NRW
hat mit konsequentem Fokus auf Vereinfachung und Beschleunigung erfolgreich
gezeigt, was gemeinsam möglich ist. Das Ergebnis ist der Spitzenplatz bei
Genehmigungen von Windenergieanlagen seit mehreren Jahren.
Statt den Ausbau der Erneuerbaren konsequent voranzutreiben, setzen Teile der
Bundesregierung und konservative Kräfte Jahre nach dem erfolgreichen
Atomausstieg erneut auf Atomkraft, auf die Illusion, dass Mini-Atomkraftwerke,
sogenannte Small Modular Reactors, der Heilsbringer sind. Diese Technologie
existiert bisher nur auf dem Papier, ist teuer und sicherheitspolitisch riskant,
und auf Jahre hinaus kein Beitrag für eine sichere Energieversorgung. Darüber
hinaus verkennt sie kurzsichtig, unter welchen Umständen Uran gewonnen wird und
welche zusätzlichen Abhängigkeiten das bedeutet. NRW weiß aus eigener Erfahrung,
dass Atomkraft keine Zukunftstechnologie ist, sondern ein gefährliches und
kostenintensives Erbe hinterlässt. Die Castor-Transporte von Jülich und Garching
nach Ahaus lehnen wir ab. Sie verlagern Risiken quer durch unser Land, ohne die
Frage einer dauerhaft sicheren Lagerung zu lösen. Statt Atommüll von einem
Zwischenlager ins nächste zu verschieben, braucht es tragfähige Lösungen vor Ort
und ein umfassendes Zwischen- und Endlagerkonzept des Bundes. Zugleich bleibt
für uns klar: Der Atomausstieg ist erst vollständig, wenn auch die
Urananreicherung in Gronau und die Brennelementefertigung in Lingen beendet
werden. Wer weiter Brennstoff für Atomkraftwerke produziert oder neue atomare
Abhängigkeiten – etwa über Rosatom – in Kauf nimmt, verlängert die Risiken und
Kosten einer Technologie, aus der Deutschland aus guten Gründen ausgestiegen
ist. Wer jetzt auf neue Atomfantasien setzt, verzögert den Ausbau der Lösungen,
die längst für uns alle einfach verfügbar sind: Wind, Sonne, Speicher und
intelligente Netze.
Auch der weitere Ausbau von Photovoltaikanlagen ist eine unverzichtbare Säule
der Energiewende. Beim Zubau von Photovoltaikanlagen auf unseren Dächern zeigen
die Einführung der Solardachpflicht sowie die Erleichterungen durch die schwarz-
grüne Koalition Wirkung: Nordrhein-Westfalen ist in den Top 3 unter den
Bundesländern angekommen. In NRW ist Solar das neue Normal. Nun droht jedoch auf
Bundesebene ein Angriff auf die kleinen Solaranlagen. Sie sind aber nicht
Problem, sondern unverzichtbarer Teil eines erneuerbaren, resilienten und
effizienten Energiesystems. Deswegen bekennen wir uns klar zur weiteren
Vergütung des eingespeisten Stroms von Aufdach-Photovoltaikanlagen.
Beim Zubau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen konnte NRW hingegen noch nicht
genug Tempo aufnehmen. Bislang haben Anlagen aus NRW in den EEG-Ausschreibungen
nur geringe Chancen, sich gegen Vorhaben in südlichen Bundesländern mit mehr
Sonnenstunden durchzusetzen. Hier darf der Bund Nordrhein-Westfalen nicht länger
hängen lassen. Es braucht jetzt in den Ausschreibungen eine Kompensation für
Regionen mit geringerer Globaleinstrahlung. Denn der parallele Ausbau von Wind-
und Sonnenenergie in allen Regionen macht die Energiewende günstiger und unser
Energiesystem resilienter.
Gleichzeitig gilt: Auch die Energiewende muss global gerecht gestaltet werden.
Der Ausbau von Speichern, Batterien und Wasserstofftechnologien darf nicht auf
Kosten von Menschenrechten und Umweltstandards gehen und er darf nicht dazu
führen, dass rohstofffördernde Regionen im Globalen Süden nur als Lieferanten
dienen, ohne selbst wirtschaftlich davon zu profitieren. Wir setzen uns deshalb
für faire Lieferketten, hohe menschenrechtliche Standards und eine
partnerschaftliche Zusammenarbeit ein, die auch Weiterverarbeitung,
Wertschöpfung und Beschäftigung vor Ort in den Förderländern ermöglicht.
Auch das Zeitalter der Kohle ist vorbei. Mit dem Kohleausstieg 2030 schaffen wir
Planungssicherheit für Wirtschaft, Beschäftigte und die ganze Region und sind im
Einklang mit unseren Klimazielen. Deshalb halten wir am Kohleausstieg 2030 fest.
Damit das gelingt brauchen wir Verlässlichkeit vom Bund. Es braucht
schnellstmöglich Ausschreibungen für Kapazitäten: Speicher, Flexibilitäten und
wasserstofffähige Back-Up-Kraftwerke, denn so kann die Energieversorgung bei
Dunkelflauten sichergestellt werden.
Wir setzen uns für eine Energiewende und einen Strukturwandel ein, der alle
mitnimmt - feministisch, klimagerecht und sozial gerecht! Deshalb setzen wir uns
auch für eine sehr gute Wasserqualität bei den Tagebauseen ein, damit das
Trinkwasser in der Region nicht gefährdet wird.
Günstiger Strom ist dabei ein zentraler Schlüssel für Akzeptanz und
Wettbewerbsfähigkeit. Gut, dass der von uns lange geforderte Industriestrompreis
nun kommt, damit unsere Industrie zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen auch
international wirtschaften kann. Teure Stromkosten plagen aber nicht nur
Betriebe, sondern alle Menschen. Auch sie brauchen bezahlbare Energiekosten,
denn viele drehen gerade jeden Euro zweimal um, damit sie über die Runden
kommen. Wir fordern beides, denn beides gehört zusammen: bezahlbarer Strom und
eine sichere Energieversorgung.
Entlastung, die wirklich ankommt - Stromsteuer senken
Ein wirksamer Hebel für bezahlbare Energie ist eine niedrigere Stromsteuer. Wir
fordern die Bundesregierung auf, die Stromsteuer dauerhaft auf das
europarechtliche Minimum zu senken für Haushalte und Unternehmen gleichermaßen.
Das entlastet alle und ist, anders als der Tankrabatt, unabhängig davon, ob
jemand ein Auto besitzt oder nicht und kommt auch spürbar bei den Menschen vor
Ort an.
Die bisherige Entlastung nur für Teile der Wirtschaft greift zu kurz.
Bezahlbarer Strom für alle ist die Voraussetzung dafür, dass klimafreundliche
Technologien sich durchsetzen und unsere Wirtschaft international
wettbewerbsfähig bleibt. Dann wird Klimaschutz zum Innovationsmotor – gerade für
einen Industriestandort wie NRW.
Eine niedrigere Stromsteuer korrigiert auch eine jahrzehntelange Schieflage:
Während fossile Energien lange subventioniert wurden, müssen klimafreundliche
Alternativen endlich die besseren Rahmenbedingungen bekommen. Denn die
Verbraucher*innen haben den Umstieg schon begonnen: Es gibt eine zunehmende
Elektrifizierung im Verkehr, steigende Nachfrage nach Wärmepumpen und
Balkonkraftwerken.
Jetzt kommt es darauf an, diesen Fortschritt zu beschleunigen. Eine reduzierte
Stromsteuer stärkt diesen Trend und macht klimafreundliche Lösungen im Alltag
und in der Wirtschaft attraktiver. Wer ernsthaft entlasten will, darf nicht
weiter fossile Energien subventionieren, sondern muss den Strom günstiger
machen.
Gleichzeitig setzen wir uns für eine Übergewinnsteuer von fossilen Konzernen
ein. Während Mineralölkonzerne Übergewinne einfahren können sich viele Menschen
tanken oder heizen nicht mehr leisten. Wir setzen uns dafür ein, dass der Bund
Übergewinne von fossilen Konzernen besteuert und so wirklich umverteilt, anstatt
weiter wirkungslose Tankrabatte umzusetzen. Wir brauchen Entlastung, die
wirklich bei den Menschen ankommt - Das bedeutet für uns: Die Bundesregierung
muss sofort ein Klimageld zur sozial gerechten Rückverteilung von CO2-Einnahmen
an die Bevölkerung einführen sowie ein dauerhaft bezahlbares, stark
vergünstigtes Ticket für den ÖPNV, wie ein durch einen höheren Bundeszuschuss
mögliches 9 Euro-Ticket, um Mobilität endlich als Teil der Daseinsvorsorge zu
begreifen.
Heizen, fahren, leben – elektrisch und bezahlbar
Andere europäische Länder gehen konsequent voran und elektrifizieren ihre
Energie- und Verkehrssysteme, auch aus Gründen der nationalen Sicherheit:
Frankreich fördert gerade massiv den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge und
Wärmepumpen, die Niederlande elektrisieren ihren Nahverkehr und in Spanien sind
bereits 30 Millionen Smart Meter in Privathaushalten verbaut.
Elektrifizierung ist der Schlüssel für eine bezahlbare, saubere und sichere
Energieversorgung im Alltag. Dafür braucht es gezielte Maßnahmen, die den
Umstieg für alle ermöglichen. Wir wollen Social-Leasing-Modelle für Elektroautos
einführen und Kaufprämien für gebrauchte E-Fahrzeuge, damit klimafreundliche
Mobilität nicht vom Einkommen abhängt. Gleichzeitig fördern wir den Umstieg von
Diesel-LKW auf elektrische Antriebe, um auch den Güterverkehr klimafreundlich
und unabhängig zu machen.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Infrastruktur. Deshalb fordern wir
GRÜNE NRW ein Sofortprogramm für den Ausbau von Schnellladeinfrastruktur entlang
der Autobahnen mit dem Ziel von mindestens 50 Ladepunkten pro 100 Kilometer für
E-Autos. Wir wollen zudem den schnellen und bedarfsgerechten Ausbau einer
Schnellladeinfrastruktur für E-LKW an Autobahnen. So wird Elektromobilität
alltagstauglich und verlässlich. Die Steckdose ist die Tankstelle von Morgen.
Auch beim Heizen braucht es einen sozialen und planbaren Umstieg. Wir setzen auf
Direktzahlungen für einkommensschwache Haushalte beim Wechsel auf
klimafreundliche Heizsysteme wie Wärmepumpen. Ein zentrales Instrument für
soziale Gerechtigkeit ist dabei bereits vorhanden: Die Möglichkeit von
Direktzahlungen an Bürger*innen, wie sie zur Vorbereitung des Klimageldes
geschaffen wurde. Diesen Mechanismus muss die Bundesregierung jetzt nutzen, um
Entlastungen gezielt, schnell und unbürokratisch auszuzahlen. Kostenlose und
unabhängige Heizungsberatung soll Eigentümer*innen bei der Umstellung
unterstützen. Die Energiewende muss für alle Generationen gelingen. Sie ist eine
Investition in die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder und muss zugleich die
Lebensrealität älterer Menschen berücksichtigen. Wer heute erneuerbare Energien
ausbaut, schützt Klima und Lebensgrundlagen für kommende Generationen und stärkt
ihre Freiheit, Sicherheit und Zukunftschancen. Gleichzeitig stehen viele ältere
Menschen bei der Umstellung ihrer Energieversorgung vor besonderen
Herausforderungen. Begrenzte finanzielle Spielräume, ältere Gebäude sowie
technische und organisatorische Anforderungen dürfen nicht dazu führen, dass
Menschen von den Vorteilen der Energiewende ausgeschlossen werden.
Dabei muss sichergestellt werden, dass Förderprogramme alle Menschen erreichen.
Informations-, Beratungs- und Förderangebote müssen barrierefrei, mehrsprachig
und niedrigschwellig ausgestaltet werden. Digitale Anwendungen im Energiebereich
müssen verständlich und einfach nutzbar sein, damit auch ältere Menschen,
Menschen mit Einwanderungsgeschichte, Menschen mit geringem Einkommen und andere
bislang unterrepräsentierte Gruppen gleichermaßen von der Energiewende
profitieren können.
Mit digitaler Infrastruktur die Energiewende intelligent
steuern
Das Gegenstück der von Gegner*innen der Energiewende oft ins Feld geführten
„Dunkelflaute“, also Phasen hoher Stromnachfragen ohne Sonnenschein und Wind,
ist die „Hellbrise“. Der zuletzt starke Zubau von Photovoltaik- und
Windenergieanlagen lässt in Zeiten hoher Sonneneinstrahlung und starkem Wind die
Erzeugung von erneuerbarem Strom in die Höhe schnellen. Wenn dies beispielsweise
an Wochenenden oder Feiertagen auf eine geringe Stromnachfrage trifft, kann dies
die Netze an die Belastungsgrenze führen, da der Markt die Strommengen nicht
abnehmen kann. An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig eine intelligente
Steuerung des Energiesystems und ein Ausbau der Stromnetze ist. Im Sinne der
Energiewende muss jedoch der Fokus auf dem Ausbau von Batteriespeichern und
Elektrolyseuren zur Wasserstoffproduktion liegen, um so den überschüssigen Strom
in Zeiten nutzen zu können, wo er gebraucht wird.
Biogasanlagen bleiben ein wichtiger Baustein der erneuerbaren Energieversorgung
und regionalen Wertschöpfung. Ihr weiterer Ausbau darf jedoch nicht zu
zusätzlichen Maismonokulturen und den damit verbundenen Belastungen für Böden,
Artenvielfalt und Landschaft führen. Stattdessen braucht es eine konsequente
Ausrichtung auf die Nutzung von organischen Reststoffen, Bioabfällen und
Klärschlamm – wie sie auch vom Fraunhofer-Institut empfohlen wird. So kann
Biogas klimafreundlich, ressourcenschonend und flächensparend zur
Energieversorgung beitragen.
Die Energiewende braucht ein digitales Update. Ohne intelligente Netze,
vernetzte Geräte und transparente Daten bleibt sie unnötig teuer, ineffizient
und anfällig. Wer heute noch analoge Strukturen verteidigt, bremst Klimaschutz,
gefährdet Versorgungssicherheit und treibt die Kosten für alle nach oben.
Wir wollen die Energieversorgung so digital machen, wie sie längst sein kann:
verlässlich, flexibel und in Echtzeit steuerbar. Dafür braucht es einen
beschleunigten Ausbau intelligenter Messsysteme (Smart Meter), die
Digitalisierung der Stromnetze und Anreize für die Nutzung von Flexibilitäten
sowie für netzdienliches Verhalten. So können Haushalte und Unternehmen Strom
genau dann nutzen, wenn er günstig und erneuerbar verfügbar ist und selbst Teil
der Lösung werden.
Erneuerbare Energien und Speicher müssen konsequent digital vernetzt werden.
Kein Windrad darf mehr stillstehen, keine Solaranlage abgeregelt werden, nur
weil Daten fehlen oder Netze nicht intelligent gesteuert werden. Statt Energie
zu verschwenden, müssen wir sie besser managen.
Gleichzeitig gilt: Energiesicherheit ist heute auch Cybersicherheit. Unsere
Energieinfrastruktur muss als kritische Infrastruktur gemeinsam mit Betreibern
besser geschützt und resilient aufgestellt werden.
Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist der Schlüssel für eine
Energieversorgung, die bezahlbar, klimaneutral und unabhängig ist. Sie sorgt
dafür, dass erneuerbare Energien ihr volles Potenzial entfalten können. Für
stabile Preise, mehr Sicherheit und echte Freiheit von fossilen Abhängigkeiten.
Was jetzt passieren muss
Wir machen uns unabhängig von Öl, Gas und Diktatoren, denn sie verschärfen die
Krisen dieser Welt. Dafür braucht es entschlossenes Handeln der Bundesregierung,
nicht irgendwann, sondern jetzt.
Der Hebel liegt auf dem Tisch: Strom muss endlich günstiger werden. Die
Stromsteuer muss dauerhaft runter – für alle. Die Menschen müssen direkt und
spürbar entlastet werden.
Und vor allem gilt: Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss mit voller Kraft
vorangehen. Mehr Windräder, mehr Solaranlagen, schnellere Genehmigungen, mehr
zentrale und dezentrale Speicher und ein leistungsfähiges Netz, denn das ist der
Weg in die Unabhängigkeit.
Wer heute noch fossile Abhängigkeiten verlängert, handelt gegen die Interessen
NRWs. Wir gehen den anderen Weg: nach vorne, raus aus der Abhängigkeit, hin zu
einer sicheren, bezahlbaren und erneuerbaren Energiezukunft.