| Veranstaltung: | Landesdelegiertenkonferenz 20./21. Juni 2026 in Troisdorf |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8. Verschiedenes |
| Antragsteller*in: | Katharina Hix (KV Bielefeld) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 06.05.2026, 21:40 |
V-03: Mentale Gesundheit darf keine Frage des Geldes sein!
Antragstext
Der erweiterte Bewertungsausschuss beschloss zum 01.04.26 die Absenkung der
Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 %. Darüber hinaus soll nun mit
dem vom Bundeskabinett beschlossenen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz unter
anderem die Budgetierung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung
beschlossen werden.
Eine Studie über die Wartezeiten für psychologische Hilfe der BPtK aus 2018
zeigt, dass schon zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich 139,3 Tage auf einen
Therapieplatz gewartet werden musste. Auf dem Land, aber auch in anderen
Regionen müssen Betroffene besonders lange warten, z.B. im Ruhrgebiet: 2018
betrug die durchschnittliche Wartezeit 205,8 Tage. 2022 ändert sich nach Zahlen
der BPtK an der durchschnittlichen Wartezeit kaum etwas, 142,2 Tage – etwas mehr
als im Jahr 2018.
Dabei ist die psychologische Versorgung mehr gebraucht denn je. Ergebnisse der
Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ zeigen, dass der Anteil junger Menschen
zwischen 14 und 29 Jahren, die angegeben haben, psychologische Unterstützung zu
benötigen, mit 29 % einen neuen Höchstwert erreicht.
Wie zu Beginn geschildert ist das Honorar der Psychotherapeut*innen um 4,5 %
gekürzt worden. Gleichzeitig wurden die Strukturzuschläge um 14,25 % angehoben –
das Problem: Nicht alle Praxen haben Anspruch auf den Zuschlag. Und selbst die
Praxen, die den Zuschlag in vollem Umfang erhalten, müssen mit einer
Honorarsenkung von 2,8% umgehen.
Psychotherapeut*innen sind unter den Praxisinhaber*innen ohnehin schon die am
wenigsten verdienende Arbeitsgruppe. Nach Abzug der Praxiskosten bekommen sie
gerade einmal 52 € pro Arbeitsstunde – die Hälfte dessen, was
Praxisinhaber*innen der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung im Durchschnitt
bekommen. Ein wichtiger Unterschied zu anderen Praxen: Psychotherapeut*innen
sind fast vollständig zeitgebunden, da Sitzungen meist 50 min lang sein müssen.
Deswegen ist es ihnen nicht möglich, mehr Behandlungen in der gleichen Zeit
durchzuführen, um damit ihren Verdienst zu erhöhen. (Quelle: BPtK 12.03.2026)
Mit einer Budgetierung wären mehr Behandlungen dann ohnehin nicht mehr möglich,
da das zur Verfügung stehende Budget dann pro Quartal gedeckelt wäre. Je mehr
Leistungen die Psychotherapeut*innen abrechnen würden, desto geringer wäre dann
die Vergütung der einzelnen Leistungen. Der Teil der erbrachten, aber seitens
der gesetzlichen Krankenkassen nicht vergüteten Leistungen bliebe dann
schlichtweg unterfinanziert und müsste von den Praxen aus der eigenen Tasche
oder durch andere Leistungen, wie zum Beispiel Privatpatient*innen,
quersubventioniert werden. (Quelle: KVRLP)
Um Psychotherapeut*in zu werden, muss nach erfolgreichem Master in Psychologie
eine 3-5 Jährige Ausbildung absolviert werden. Studierende sind nicht reich,
Azubis ebenfalls nicht, und die Ausbildung zur Psychotherapeut*in kostet extra –
in NRW zwischen 24.000€ und 31.000€ (Quelle: BPtK, Stand 25.03.2026). Wer
anschließend gesetzlich Versicherte behandeln möchte, muss sich für einen
Kassensitz bewerben. Dieser kostet je nachdem, wo er sich befindet, 50.000€ bis
180.000€ (Quelle: Tagesschau Stand 13.12.2024). Die Verfahren dahinter sind
extrem intransparent und unübersichtlich.
Da ist es kein Wunder, wenn viele Psychotherapeut*innen mit Schulden in den
Beruf starten (Quelle: Spiegel, Stand 29.08.2019). Und hier fangen auch die
Auswirkungen für die Patient*innen an:
Die 24,5 zusätzlichen Kassensitze aus 2024 waren ein guter Anfang, aber vor
allem in den ländlichen Bereichen und im Ruhrgebiet braucht es weitere Sitze, um
die Versorgung der dortigen Anwohner*innen zu sichern. Existierende Kassensitze
müssen zu einem bezahlbaren Preis übernommen werden können und die
Bewerbungsprozesse transparent gemacht werden.
Unterstützer*innen
- Mel Dunin-Majewski (KV Duisburg)
- Tim Niklas Beyer (KV Bielefeld)
- Lars Bauerdick (KV Bielefeld)
- Jonas Ulbrich (KV Aachen)
- Petra Balje (KV Gelsenkirchen)
- Paula Becker (KV Bochum)
- Emelie Segler (KV Bochum)
- Simon Krumm (KV Siegen-Wittgenstein)
- Kathryn Heuser (KV Duisburg)
- Nadine Skrzeba (LV Grüne Jugend NRW)
- Janna Elisa Mathias (KV Bielefeld)
- Tilman Nabel (KV Bielefeld)
- Gabriele Wita (KV Duisburg)
- Dennis Nawrot (KV Gelsenkirchen)
- Kapilan Punniarajah (KV Bielefeld)
- Sarah Stockdreher (KV Bielefeld)
- Robin David Gietz (KV Essen)
- Mika Tiemeier (KV Bielefeld)
- Jannik Struckmeyer (KV Bielefeld)
- Friederich Pütz (KV Essen)
- Ulrike Tadema (KV Duisburg)
- Maurice Hommes (KV Kleve)
- Heiko Steinkühler (KV Bielefeld)
- Torben Dohmann (KV Wuppertal)
- Ruth Schepers (KV Bielefeld)
- Florim Iseini (LV Grüne Jugend NRW)
- Corinna Voß (KV Bonn)
- Christine Weiss (KV Duisburg)
- Dirk Hähnel (KV Duisburg)
- Reinhard Nitsch (KV Duisburg)
- Jennifer Otterbein (KV Duisburg)
- Johannes Probst (KV Bielefeld)
- Daniela Kloss (KV Bielefeld)
- Thomas Perkowski (KV Duisburg)
- Nicole Tobien (KV Bielefeld)
- Nadine Kutz (KV Rhein-Sieg)
- Silvia Beyer (KV Duisburg)
- Beate Potthoff (KV Duisburg)