| Veranstaltung: | Landesdelegiertenkonferenz 20./21. Juni 2026 in Troisdorf |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8. Verschiedenes |
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | Landesdelegiertenkonferenz |
| Beschlossen am: | 20.06.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Deutsche Gebärdensprache als Teil schulischer Sprachenvielfalt stärken
Beschlusstext
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW setzen sich dafür ein, die Deutsche Gebärdensprache
(DGS) langfristig stärker als Bestandteil schulischer Sprachenvielfalt in
Nordrhein-Westfalen zu verankern.
Dazu gehört insbesondere:
DGS als mögliches Wahlpflicht-, Wahl- und AG-Angebot an Regelschulen
weiterzuentwickeln,
die Zusammenarbeit mit Volkshochschulen, Gehörlosenverbänden,
Kompetenzzentren und Organisationen der Deaf Community auszubauen,
Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte sowie
Zugangswege für gehörlose Fachkräfte und Quereinsteiger*innen
weiterzuentwickeln,
sowie die Sichtbarkeit der Deutschen Gebärdensprache als Bestandteil
sprachlicher, kultureller und inklusiver Bildung zu stärken.
Sprache ist Grundlage für Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und gegenseitiges
Verständnis. Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigenständige und vollwertige
Sprache. Für viele gehörlose und schwerhörige Menschen ist sie zentraler
Bestandteil ihrer Lebensrealität, Kultur und Identität.
Trotz ihrer rechtlichen Anerkennung ist DGS im nordrhein-westfälischen
Bildungssystem bislang nur eingeschränkt sichtbar – insbesondere an
Regelschulen. Während Fremdsprachen wie Französisch, Spanisch oder Latein
selbstverständlich zum schulischen Angebot gehören und einzelne Schulen darüber
hinaus weitere Sprachen wie Niederländisch oder Russisch anbieten, bleibt der
Zugang zur Deutschen Gebärdensprache bislang oft auf einzelne Projekte oder
Förderschulen beschränkt.
Mit den neuen Rahmen- und Unterrichtsvorgaben für Deutsche Gebärdensprache hat
Nordrhein-Westfalen 2024 einen wichtigen Schritt unternommen. DGS wurde
curricular verankert und erstmals ausdrücklich auch für Schulen des Gemeinsamen
Lernens geöffnet. Nun gilt es, diese Grundlage langfristig weiterzuentwickeln
und DGS dort als schulisches Wahl-, Wahlpflicht- oder AG-Angebot zu ermöglichen,
wo Schulen entsprechende Angebote aufbauen möchten.
Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW gehört sprachliche Vielfalt zu einer modernen
Bildungspolitik. Schüler*innen sollen die Möglichkeit erhalten, unterschiedliche
Sprachen kennenzulernen und zu erlernen – unabhängig davon, ob diese gesprochen
oder gebärdet werden.
Der Zugang zu Gebärdensprache stärkt nicht nur die Teilhabe gehörloser und
schwerhöriger Menschen. Er fördert auch gegenseitiges Verständnis, baut
Kommunikationsbarrieren ab und unterstützt inklusive Kompetenzen im
(Schul)Alltag.
Bislang hängt der Zugang zu DGS häufig vom Engagement einzelner Lehrkräfte oder
lokaler Initiativen ab. Deshalb braucht es langfristig flexible und kooperative
Lösungen, damit Schulen einfacher DGS-Angebote aufbauen können. Nordrhein-
Westfalen verfügt bereits über wichtige Strukturen, auf denen aufgebaut werden
kann – darunter Volkshochschulen mit bestehenden DGS-Angeboten,
Kompetenzzentren, Gehörlosenverbände, digitale Lernformate und regionale
Bildungsnetzwerke.
Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit Gehörlosenverbänden und der Deaf
Community. Gute DGS-Bildung entsteht nicht allein durch Lehrpläne, sondern auch
durch sprachliche und kulturelle Begegnung.
Auch digitale und hybride Unterrichtsmodelle können dazu beitragen, Schulen beim
Aufbau von DGS-Angeboten zu unterstützen und standortübergreifende Formate zu
ermöglichen.
Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW gehört dazu eine Bildungspolitik, die sprachliche
Vielfalt sichtbar macht, Barrieren abbaut und neue Wege der Verständigung
eröffnet – unabhängig davon, ob Sprache gesprochen oder gebärdet wird.